Novelle

Definition

Die Erzählung Romeo und Julia auf dem Dorfe gehört zur Gattung der Kurzprosa und kann dem Genre der Novelle zugerechnet werden. Die Novelle ist eine Erzählung in Prosaform, die entsprechend ihrem Namen (lat. novus, novellus = neu) etwas Neues, bislang nicht Dagewesenes präsentieren möchte. Johann Wolfgang von Goethe spricht in seiner berühmten Definition der Novelle folglich auch von einer „unerhörten Begebenheit“ als wesentliches Charakteristikum dieser Erzählform. Jenes Ereignis beinhaltet oder mündet in einen zentralen Konflikt, der in der Regel den Gegensatz zwischen Außergewöhnlichem und Normal-Alltäglichem herausstellt.

Formal führt die Fokussierung auf besagten Konflikt zu einer einlinigen Handlungsführung, die straff und ohne Abdriften in Nebenhandlungen auf einen pointierten Höhe- und Wendepunkt zuläuft. Außerdem zeichnet sich die Novelle durch Stilmittel, wie die Vorausdeutungstechnik und die häufige Verwendung von Leitmotiven und Dingsymbolen, aus. Dies führt in Anlehnung an die berühmte Falken-Novelle von Boccaccio (ca. 1350), die von dem zentralen Dingsymbol des Falken bestimmt wird, zu dem Diktum, dass jede Novelle „ihren Falken“ besitzt.

Merkmale der Novelle im Werk

„Die unerhörte Begebenheit“

Die generellen Merkmale der Novelle finden sich alle in Kellers Erzählung „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ wieder. Der Text weist eine mittlere Länge auf und ist in Prosaform verfasst. Die zentrale „unerhörte Begebenheit“ besteht einerseits in der Übertragung des shakespeareschen Stoffs auf die bäuerlichen Lebensverhältnisse des 19. Jahrhunderts, woraus der zentrale Konflikt zwischen den verfeindeten Bauern und, damit einhergehend, der Gewissenskonflikt ihrer Kinder resultiert. Andererseits besteht die „unerhörte Begebenheit“ in der Tat, die in der „Zürcher Freitagszeitung“ vom 3. September 1847 beschrieben wird: In dem Dorf Altsellerhausen haben sich ein junger Mann von 19 und ein Mädchen von 17 Jahren ineinander verliebt. Da sie aber aus verfeindeten Familien stammen, die einer Verbindung zwischen ihren Kindern nicht zustimmen, begibt sich das unglückliche Paar am 15. August 1847 in eine Wirtschaft, in der sich die arme Bevölkerung zum Tanze trifft. Dort hält es sich bis kurz nach Mitternacht auf, um sich daraufhin in den Feldern durch einen tödlichen Schuss in den Kopf das Leben zu nehmen.

Glaubwürdigkeit

Die Hand...

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