Vrenchen

Trostlosigkeit und Lebensfreude

Vreni, die auch immer wieder verniedlichend Vrenchen oder auch Vreeli genannt wird, ist das einzige Kind des Bauern Marti und wächst in ihren ersten Lebensjahren „gesund und munter“ (S. 5) und in bescheidenem Wohlstand auf dem elterlichen Hof heran. Äußerlich fallen bereits bei dem fünfjährigen Mädchen ihre „sehr hübschen Augen“ auf sowie ihre „bräunliche Gesichtsfarbe“ und ihre „krause[n] dunkle[n] Haare, welche ihm ein feuriges und treuherziges Ansehen gaben“ (S. 5).

Mit der Eskalation des Streits zwischen ihrem und Salis Vater sowie mit der damit einhergehenden Verschuldung und dem frühen Tod der Mutter, die noch vor ihrem 14. Lebensjahr stirbt, nimmt Vrenis Leben jedoch eine drastische Wendung: „Vrenchen hatte anscheinend einen schlimmern Stand als Sali, da seine Mutter tot und es einsam in einem wüsten Hause der Tyrannei eines verwilderten Vaters anheim gegeben war“ (S. 18).

Allerdings lässt sich Vreni von den trostlosen Umständen, in denen sie ihre Jugendjahre verbringen muss, nicht in die Knie zwingen: Äußerlich reift sie zu einem schönen, „schlank gewachsene[n], ziervolle[n] Mädchen“ heran; ihre „dunkelbraunen Haare ringelten sich unablässig fast bis über die blitzenden braunen Augen, dunkelrotes Blut durchschimmerte die Wangen des bräunlichen Gesichtes und glänzte als tiefer Purpur auf den frischen Lippen, wie man es selten sah und was dem dunklen Kinde ein eigentümliches Ansehen und Kennzeichen gab“ (S. 18).

So wenig sich die Sorgen in ihrem anziehenden Äußeren widerspiegeln, so wenig lassen ihr Verhalten und Charakter, der von „[f]euriger Lebenslust und Fröhlichkeit“ (S. 18) gekennzeichnet war, auf ihr trostloses Leben schließen. Dank ihrer charakterlichen Stärke und natürlichen Lebensfreude ist sie folglich trotz ihres Kummers „zu Scherz und Spiel“ (S. 18) aufgelegt und auch immer darum bemüht, sich zumindest „halbwegs ordentlich und reinlich [zu] kleiden, ohne dass der Vater ihm die geringsten Mittel dazu geben wollte“ (S. 19).

Klugheit, Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit

Ihre Nachbarin verweist auf die in Vreni sichtbar werdende Verbindung von Schönheit und hausfraulichen Tugenden: „Schön, sauber, klug und weise bist du, arbeitsam und geschickt zu allen Dingen!“ (S. 56).

Vrenis Sinn für Reinheit, Ordnung und Schönheit bleibt auch dann noch bestehen, als die Schulden ihres Vaters und der unaufhörliche Verfall des Hauses alle Bemühungen vergeblich erscheinen lassen: Sie versucht, das fast schon zur Ruine verkommene Haus mit Blumen zu schmücken und zu verschönen. Außerdem hält sie die bereits zerbrochenen und teilwe...

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