Bildlichkeit

Metaphern und Vergleiche

Als die zentralen Stilmittel von Kellers Novelle Romeo und Julia auf dem Dorfe sind vor allem ihre Bildhaftigkeit und ihr Symbolgehalt zu nennen, die nicht nur einen wertvollen Beitrag zum hohen poetischen Gehalt der Novelle leisten, sondern auch die Handlung durch immer wiederkehrende Motivfolgen miteinander verknüpfen. So ist insbesondere die Vielzahl der Metaphern und Vergleiche hervorzuheben, welche die tragische Handlung auflockern und mithilfe der bildhaften Details veranschaulichen.

Vor allem die zahlreichen Tiervergleiche[1] fallen ins Auge. Diese gestalten sich manchmal humorvoll – zum Beispiel: die beiden Verliebten sperrten „ihre Schnäbel auf, wie die jungen Wachteln im Neste“ (S. 41) –, manchmal  auch ironisch – zum Beispiel dann, wenn Salis Vater als „Krebs“ bezeichnet wird, der „mit jeder Stunde rückwärts ruderte“ (S. 19), oder wenn die beiden zunehmend heruntergekommenen Kontrahenten „Störchen“ ähneln, die „auf einem Beine auf der Schwelle ihrer Besitztümer [standen], von der jeder Lufthauch sie herunterwehte“ (S. 17).

Mit den wechselseitigen Beschimpfungen der verfeindeten Bauern, bei denen sie ebenfalls mit Vorliebe zu Tiervergleichen greifen: „Hund“, „Lumpenhund“, „Galgenhund“, „Kalb“ (S. 27), erhalten die eingefügten Vergleiche sogar eine dezidiert boshafte Natur.

Auch vielfältige Metaphern[2] sind in der Novelle zu finden. Beispielsweise werden die beiden Bauern Manz und Marti mit ihren akkurat geschnittenen Kniehosen, deren Falten „wie in Stein gemeißelt aussahen“, zunächst als Musterbeispiele für Ordnung und Tüchtigkeit beschrieben. Die ausführliche Schilderung ihrer Zipfelmützen beim Pflügen kann als Vorausdeutung für ihren Niedergang gedeutet werden. Während bei dem einen Bauern der Zipfel nach vorne hängt, zeigt er bei dem anderen nach hinten; sobald sie jedoch auf der Höhe ihrer Felder zusammentreffen, schlägt der Wind die beiden Zipfel jeweils in die andere Richtung.

Dabei wird vom Erzähler auf einen „mittlern Augenblick“ verwiesen, „wo die schimmernden Mützen aufrecht in der Luft schwankten und wie zwei weiße Flammen gen Himmel züngelten“ (S. 4). Mit dieser Metapher wird die Szene gleichsam elektrisch aufgeladen und es entwickelt sich dadurch eine bedrohliche Atmosphäre. Diese zunächst nur bildlich angedeutete Bedrohung wird im Laufe der Novelle, in der die streitenden Bauern Manz und Marti zunehmend zu zwei „wilde[n] Tieren“ verkommen, die sich gegenseitig „auffressen“ (S. 72), immer deutlicher fassbar.

Am häufigsten finden sich im Text metaphorische Umschreibungen, die den Wortfeldern „wild“ versus „sauber“ entnommen sind.

Wildheit und Freiheit

Somit hat Vreni unter der „Tyrannei eines verwilderten Vaters“ (S. 18) zu leiden, der von Sali überdies als „sehr wild und liederlich“ (S. 32) aussehend charakterisiert wird und vor allem aufgrund seines Zorns angesichts des verliebten Pärchens zu einem „wilden Mann“ (S. 42) verkommt.

Schließlich liefern sich die inzwischen restlos „verwilderten Männer“ (S. 28) einen unerbittlichen Kampf auf einer Brücke. Damit werden die beiden Bauern äußerlich ihrem Streitobjekt immer ähnlicher,...

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