Kleidung und Identität

Die Novelle basiert auf der Tatsache, dass der eigentlich mittellose Schneider Wenzel Strapinski einzig und allein wegen seiner Kleidung für einen wohlhabenden Edelmann gehalten wird. Von seiner Mutter hat er gelernt, sich in elegante Gewänder zu hüllen, wobei ihm sein Beruf durchaus hilfreich ist.

Er ist folglich nicht als wandernder Schneidergeselle zu erkennen. Stattdessen staffiert ihn Keller als eine Art romantischen Prinzen oder Jüngling aus, dessen äußere Erscheinung ihm das „Sich Durchschlagen“ verwehrt: „weil er über seinem schwarzen Sonntagskleide, welches sein einziges war, einen weiten dunkelgrauen Radmantel trug, mit schwarzem Samt ausgeschlagen, der seinem Träger ein edles und romantisches Aussehen verlieh, zumal dessen lange schwarze Haare und Schnurbärtchen sorgfältig gepflegt waren und er sich blasser, aber regelmäßiger Gesichtszüge erfreute“. Hinzu kommt außerdem eine polnische Pelzmütze, die er ebenfalls „mit großem Anstand zu tragen wusste“ (S. 3).

Der Protagonist fällt also von vornherein aus dem Rahmen der Erwartungen. Die Zeiten sind offensichtlich unzuverlässig, die Erkennungszeichen trügerisch.

Ausschließlich die Kleidung des Protagonisten führt dazu, dass Wenzel für einen Grafen gehalten wird. Diese Tatsache spricht dafür, dass Kleidung durchaus identitätsstiftend wirkt. Die ständische Gesellschaft baut auf bestimmten Statussymbolen auf, die die meisten Leute dankbar zur Schau tragen. Der Amtsrat beispielsweise lädt die Goldacher Gesellschaft gern auf sein...

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