Poetischer Realismus innerhalb der Novelle

Keller als Schweizer teilt die oben genannte Zielsetzung, jedoch unter genau umgekehrten Vorzeichen, denn für ihn ergibt sich die literarische Mäßigung aus der geschichtlichen Tatsache, dass die liberale Revolution 1848 in der Schweiz Erfolg hatte.

In einem Aufsatz mit dem Titel „Die Romantik und die Gegenwart“ (1846) verdeutlicht Keller, dass er die Ansichten der deutschen Realisten im Grunde teilt.

So bezieht er sich beispielsweise auf die reale Grundlage und die poetische Sichtweise. Laut Keller bedarf die Poesie eines günstigen Terrains bzw. eines guten Bodens, auf dem ihre Gebilde agieren und entsprechend leben können. Im Umkehrschluss benötigt seiner Ansicht nach jedoch auch jede Landschaft „ihre poetischen Bewohner“. In seiner Novelle „Kleider machen Leute“ bilden die Orte Goldach und Seldwyla diese Terrains, innerhalb derer die Bewohner ihres Umfelds leben und handeln können. Die Seldwyler erscheinen deutlich direkter und dabei weniger rücksichtsvoll als die vornehm zurückhaltenden Goldacher (S. 33ff.).

Keller legt außerdem, ganz im Sinne des Realismus, besonderen Wert auf lokale Färbung und die Allgemeinmenschlichkeit. Denn das, was menschlich ist, bleibt seiner Meinung nach immer gleich. Aus diesem Grund zeigen seine Figuren nicht nur lokale Wesenszüge, wie beispielsweise die Spiellust der Goldacher (S. 16f.), sondern auch völlig menschliche und aus diesem Grund besonders nachvollziehbare Eigenschaften, wie die angeborene Skepsis des Melcher Böhni (S. 16) oder die Gesch...

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