Motive des Märchens innerhalb der Novelle

Obwohl es sich bei Kellers Werk „Kleider machen Leute“ um eine Novelle handelt, lassen sich dennoch einige Märchenmotive in ihr finden. Als Märchenmotiv bezeichnet man vorzugsweise solche Handlungskerne, die irgendein Zeichen des Wunderhaften, Märchenhaften oder Irrealen an sich tragen oder die einem in vielen verschiedenen Märchen vorkommenden Schema entsprechen.

Ein wichtiges Motiv, das in fast jedem Märchen vorkommt, ist der Held. Dieser zieht aus, um sein Glück zu suchen, und findet es zumeist durch einen bloßen Zufall. Ebenso verhält es sich mit dem Schneider Wenzel Strapinski. Er zieht nach dem Bankrott seines Arbeitgebers aus, um sich auf die Suche nach einer neuen Stelle zu machen, die ihm fortan seinen Lebensunterhalt sichern und ihm warme Mahlzeiten garantieren soll (S. 3). Dieses Ziel, das er verfolgt, kann in diesem Zusammenhang als das „Glück“ Strapinskis bezeichnet werden, da ein fester Lohn und Essen genau das sind, das er sich zur Zeit seines Aufbruchs vermutlich am meisten wünscht, wenn man sich die Tatsache vor Augen hält, dass er schon sehr lange nichts mehr zu sich genommen hat und um seine Existenz fürchten muss.

Das Glück, das oftmals als Märchenmotiv Verwendung findet, kann auch im Form von Reichtum gefunden werden. So kommt es nicht selten vor, dass finanzielle Sicherheit oder Geldsegen im Märchen auch mit anderen positiven Ereignissen für den Helden einhergehen. In „Kleider machen Leute“ verhält es sich ein wenig anders. Innerhalb von Kellers Novelle wird die eigentliche Geschichte dadurch eingeleitet, dass Wenzel keinerlei Geld besitzt und sich aufgrund dessen auf die Suche nach einer Anstellung begibt.

Wie in vielen Märchen ergibt sich die Handlung also aus der Tatsache, dass der „Held“ kein Geld besitzt. Nur gewinnt Wenzel auch im Verlauf der Novelle keinen bemerkenswerten Geldsegen. Stattdessen glaubt die Goldacher Bevölkerung nur, er verfüge über großen Reichtum, da er mit seinen edlen Schneidergewändern wie ein Graf wirkt. Für das Märchenmotiv spielt dies jedoch keine große Rolle, denn die weitere Handlung verläuft dementsprechend: Strapinskis vermeintliches Vermögen öffnet ihm die Türen zur feinen...

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