Gottfried Keller

Gottfried Keller wird am 19. Juli 1819 in Zürich geboren. In seiner Kindheit finden  zwei Ereignisse statt, die ihn besonders prägen. Im Alter von fünf Jahren verliert er seinen Vater, einen erfolgreichen Drechslermeister. Als Keller 14 Jahre alt ist, wird er ungerechtfertigt aus der Industrieschule entlassen. Grund dafür ist ein unbedachter Jungenstreich, den er zusammen mit einigen anderen Schülern ausgeheckt hat. Das ungerechte Schicksal hätte höchstens sein energischer Vater von ihm abwenden können, was jedoch nun nicht mehr möglich war. Kellers Schullaufbahn wurde vorzeitig beendet, was ihn sehr hart trifft.

Kellers Mutter ist eine mittellose Witwe, die sich schnell nach dem Tod ihres Mannes erneut verheiratet. Diese Ehe wird jedoch kurz darauf wieder geschieden. Kellers Mutter kann ihm keine Privatschule finanzieren, da sie außerdem noch seine drei Jahre jüngere Schwester versorgen muss. So bleibt er ohne eine reguläre Schulbildung. Aus diesem Grund wird er zum Autodidakten und lässt seiner Fantasie lesend, schreibend und zeichnend freien Lauf. Er beschäftigt sich zudem immer mehr mit der romantischen Literatur und dichtete diese nach. Zu dieser Zeit war es jedoch sein größter Wunsch, ein großer Landschaftsmaler zu werden.

Im Alter von zwanzig Jahren (1840) entschließt er sich, nach München zu gehen und sich dort als Maler ausbilden zu lassen. Sein Ziel ist es, irgendwann als erfolgreicher Künstler in seine Heimat zurückkehren und finanziell für seine Mutter und Schwester aufkommen zu können. Der gewünschte Erfolg stellt sich jedoch nicht ein, seine Ausstellungen brachten ihm keinen nennenswerten ökonomischen Erfolg. In seiner Münchner Zeit bildet sich Keller zwar durch Selbststudien weiter, muss jedoch auch Schulden machen, um seine finanzielle Not zu lindern. 1842 geht er schließlich nach Zürich zu Mutter und Schwester zurück.

Kellers Aufenthalt in Deutschland fällt in die Zeit des Vormärz (1830-1848), die von stark liberalen Bewegungen und revolutionären Aufbrüchen gekennzeichnet ist. Das erklärte Ziel ist es, bürgerliche Verfassungen in den einzelnen Staaten durchzusetzen.

Nach Zürich zurückgekehrt, schließt sich Keller der liberalen Partei an und beginnt, sich politisch zu engagieren. In den Kreisen der Nationalliberalen trifft er auf deutsche Intellektuelle, wie beispielsweise Georg Herwegh und Hoffmann von Fallersleben, die vor der Zensur in Deutschland in die Schweiz geflohen sind. Innerhalb dieses Kreises verstärkt sich Kellers Leidenschaft für die Dichtkunst. Die deutschen Autoren sorgen für den Druck seines ersten Gedichtbandes, der großen Anklang fand. Darin sind nicht nur politische Gedichte, sondern auch Stücke über die Natur und Liebeslieder zu finden.

Der literarische Erfolg erleichtert Keller die Entscheidung, seine Malerträume aufzugeben. Seinen Auftrag sieht er von nun an in der humanitären und aufklärerischen politischen Erziehung seiner Mitbürger. Zwischen 1846 und 1847 war die Schweiz zwischen den konservativen Föderalisten und den liberalen Zentralisten gespalten. 1847 kommt es zum Sonderbundskrieg, dem letzten aufständischen Ereignis vor dem Revolutionsjahr 1848, bei dem Keller durch Wort und Tat mitwirkt. Die Mehrheit der Kantone wird von England und Frankreich unterstützt und schließt sich zum „Sonderbund“ zusammen. Diese Mehrheit erringt einen raschen militärischen Sieg über die katholisch-konservative Minderheit und setzt die liberale Staatsidee durch.

Zu dieser Zeit erhofft man sich von Keller eine Einflussnahme auf das liberale Denken seiner Mitbürger. Aus diesem Grund erhält er von der Züricher Regierung und dem Erziehungsrat ein Auslandsstipendium zur weiteren geistigen Ausbildung und zur Förderung seines dichterischen Talents.

Vom Herbst des Jahres 1848 bis zum Frühling 1850 hält er sich in Heidelberg auf und studiert beim Philosophen Ludwig Feuerbach sowie beim Anthropologen Jakob Henle und dem Literaturhistoriker Hermann Hettner. Er eignet sich Feuerbachs Ideologie an, die besagt, dass Gott im Diesseits, der Natur und dem Menschen selbst zu finden sei. Feuerbach sieht in der Religion die Ideologie der unsinnlichen Menschen, die ihre irdischen Energien an den Himmel verschleudern. Stattdessen vertritt er die Vorstellung, die Vollkommenheit, Schönheit und Güte Gottes seien Projektionen der im Menschen selbst schlummernden göttlichen Fähigkeiten. Der Grundzug von Kellers eigener Lebensphilosophie ist seitdem durch das von Natur und Vernunft geforderte Vertrauen in die Menschheit geprägt.

Nach Ablauf seines Stipendiums geht Keller nach Berlin. Erst im Jahr 1855 kehrt er in die Schweiz zurück. Literarisch sind die Berliner Jahre besonders fruchtbar, ein großer Teil seines Lebenswerks entsteht dort, zumindest im Entwurf. Keller schließt Freundschaften mit bekannten Verlegern und hat Zugang zu den literarischen Salons in Berlin. Seit 1851 erscheinen Kellers „Neuere Gedichte“, fünf Jahre später der erste Band der „Leute von Seldwyla“ sowie die erste Fassung des Romans „Der grüne Heinrich“ mit autobiografischen Zügen.

Obwohl seine Mutter ihm regelmäßig Geld schickt und er Vorschüsse für seine Gedichte bekommt, gerät Keller in finanzielle Probleme und kehrt verschuldet in seine Heimat zurück. Erst 1861 wird ihm das gut bezahlte Amt des Staatsschreibers in Zürich angeboten. Die ökonomischen Sorgen vergehen schnell, die Zeit, die für sein literarisches Schaffen zur Verfügung steht, ist nun jedoch deutlich eingeschränkter.

Keller beendet Begonnenes und überarbeitet Entwürfe, wie beispielsweise die „Sieben Legenden“ (1872) oder „Das Fähnlein der sieben Aufrechten“. Im Jahr 1874 erscheint „Die Leute von Seldwyla“ als erweiterte und umstrukturierte Ausgabe in vier Bänden. Die Novelle „Kleider machen Leute“ leitet die Sammlung ein.

Nach 15 Jahren Amtszeit, in der er stets große Anerkennung erfährt, entschließt er sich, als Staatsschreiber zu kündigen und fortan als freier Schriftsteller zu arbeiten. 1888 stirbt seine Schwester Regula, die nach dem Tod der Mutter seine Versorgung übernommen hat. Keller vereinsamt mehr und mehr und ist zunehmend dem körperlichen Verfall ausgesetzt. Er stirbt am 15. Juni 1890.