Opfer und Täter*innen

Das Wort „Opfer“ wird lange Zeit ausschließlich im Zusammenhang mit religiösen Riten verwendet. Erst im 19. Jahrhundert erhält es eine weitere Bedeutung, und zwar als ein Subjekt, dem ein Schaden, eine Verletzung oder ein Nachteil zugefügt worden ist, für den es nicht verantwortlich ist. Bei einer Straftat wird im Strafrecht das Opfer als „Tatopfer“ bezeichnet. Ist für den Nachteil des Opfers ein anderes Subjekt verantwortlich, so spricht man von einem/einer „Täter*in“. Im Strafrecht wird der Täter*in als „Straftäter*in“ bezeichnet. Einige der Charaktere in den Geschichten aus dem Wiener Wald lassen sich in die Kategorien Täter*innen und Opfer einteilen.

Marianne als Opfer des Patriarchalismus

Obwohl sich der Status der Frau in der Gesellschaft seit dem Ersten Weltkrieg um einiges verbessert hat, sind patriarchalische Strukturen im Österreich der Zwischenkriegszeit klar erkennbar (siehe Abschnitt Epoche > Die Rolle der Frau in den 1920er Jahren). Diese Geisteshaltung spiegelt sich in Horváths Stück in den Aussagen mehrerer Charaktere wider. Der Zauberkönig empfiehlt seinem Schwiegersohn in spe Oskar z. B., er solle seine Tochter nicht verwöhnen, da er sonst die Autorität verliere: „Nur niemals die Autorität verlieren! Abstand wahren! Patriarchat, kein Matriarchat!“ (S. 21).

An anderer Stelle zitiert Marianne ihren Vater, der es nicht zulässt, dass seine Tochter sich selbstständig macht: „Ich wollte mal rhythmische Gymnastik studieren, und dann hab ich von einem eigenen Institut geträumt, aber meine Verwandtschaft hat keinen Sinn für so was. Papa sagt immer, die finanzielle Unabhängigk...

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