Mariannes gescheiterte Emanzipation

Der zeitliche Kontext

Um Mariannes Emanzipationsversuch nachzuvollziehen, muss man diesen in seinem gesellschaftlichen Kontext verorten. Im Folgenden werden einige Daten für die Rechte und die Stellung der Frauen in Österreich in der Zwischenkriegszeit aufgelistet:

  • Das Frauenwahlrecht wurde in Österreich am 12. November 1918 zeitgleich mit der Gründung der Republik nach dem Ende des Ersten Weltkrieges eingeführt.
  • Sexarbeiterinnen wurden aufgrund „moralischer“ Bedenken bis 1923 vom Wahlrecht ausgeschlossen (siehe dazu Analyse > Frauen und Mädchenhandel).
  • „In Österreich kam es nach dem Zerfall der Monarchie durch die Ausbreitung der Lohnarbeit außer Haus zum zunehmenden Verschwinden der Männer aus dem alltäglichen Leben. Sie wurde für Männer zur kulturell dominanten Arbeitsform. Damit findet das sogenannte bürgerliche Familienmodell mit der Aufgaben- und Sphärenteilung zwischen den Geschlechtern (Frau im Haus beschäftigt mit Haushalt und Kindern; Männer in Ämtern, Büros, Werkstätten, Fabriken) endgültig eine weitgehende Anerkennung, wenn auch nach wie vor viele Frauen einem Erwerb nachgingen.“ (Quelle)
  • Der Anteil der Frauen an der Zahl aller Berufstätigen lag im Jahr 1934 bei 38 %.
  • „Auch in Österreich wurde das Fraueneinkommen nach dem ersten Weltkrieg lediglich als Zuverdienst betrachtet. Die jungen österreichischen Arbeiterinnen stammten zumeist selbst aus einem Arbeiterhaushalt und lebten oft noch bei ihren Eltern, die die Erwerbstätigkeit der Töchter häufig unterstützten oder tolerierten. Die Haushaltszugehörigkeit der ledigen Töchter zu ihrem Elternhaus wirkte sich wie bei den verheirateten Frauen negativ auf ihren Lohn aus, da ihr Einkommen eben als Zuverdienst angesehen wurde (Ehmer 1981: 455).“ (Quelle)
  • Von 1919 bis 1975 lag der Frauenanteil im Parlament nie höher als 6,7 %.

Haushälterin, Verkäuferin und Oskars Verlobte

Weitere Informationen sind im Dokument Epoche > Die Rolle der Frau in den 1920er Jahren zu finden.

Die 22-jährige Marianne ist als braves und frommes Mädchen in der stillen Straße im achten Wiener Bezirk aufgewachsen. Ihre Mutter ist leider schon vor Jahren an Brustkrebs gestorben und Geschwister hat sie keine, weswegen sie mit ihrem Vater alleine zusammenlebt. Der alleinerziehende ältere Leopold, der deshalb von allen Zauberkönig genannt wird, weil er der Besitzer eines Kuriositätengeschäfts mit diesem Namen ist, ist auf seine fleißige Tochter angewiesen, um den Laden zu betreiben. Marianne hilft tatkräftig mit, kümmert sich freundlich um die Kundschaft und sortiert die Waren. Nebenher kümmert sie sich auch um den Haushalt.

Leopold ist jedoch sehr streng mit seinem einzigen Kind. Marianne hat sich gewünscht, rhythmische Gymnastik zu studieren und danach ein eigenes Institut ...

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