Die privilegierte Trafikantin Valerie

Gekaufte Abenteuer ohne Glamour

Valerie ist die Witwe eines Kanzleiobersekretärs, die durch das Erbe ihres Mannes wohlhabend geworden ist. Als Inhaberin einer kleinen Tabak-Trafik in der stillen Straße in Wien und dank ihres Vermögens nimmt Valerie eine besonders günstige gesellschaftliche Stellung ein. Sie tritt als eine selbstbewusste, selbstsichere und selbstständige Trafikantin auf und verkörpert am Anfang der 1930er Jahre den Typ der neuen Frau, der jenseits der konventionellen Auffassung von Ehe lebt und ihr eigenes Leben führt. Sie wird von ihren Nachbar*innen und Kund*innen freundschaftlich behandelt und respektiert.

Bereits in der ersten Szene wird sie in den Regieanweisungen als „hergerichtete[] Fünfzigerin“ (S. 10) beschrieben, sie legt also großen Wert auf ihr Aussehen. Kurz darauf wird deutlich, dass sie Angst vor dem Altern hat, als sie sich im Taschenspiegel betrachtet: „Gott, bin ich wieder derangiert – Höchste Zeit, daß ich mich wieder mal rasier –“ (S. 13). Dazu summt sie den Trauermarsch von Chopin als Symbol der Vergänglichkeit. Als Kompensation für ihre Angst vor dem Altern nimmt sich die Trafikantin gerne jüngere Liebhaber, die sie im Gegenzug finanziell aushält. Valerie steht mitten im Leben und scheint ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Zu Beginn des Stückes ist die vermögende Tabakladenbesitzerin mit dem Hallodri Alfred zusammen. Als sie mit Alfred spricht, denkt sie plötzlich an ihren verstorbenen Gatten: „I...

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