Der neue Staat Österreich

Die Gründung der ersten Republik

Nachdem das vom Staatsrat Karl Renner angestrebte Staatsprojekt Deutschösterreich, welches aus den Habsburger Erblanden ohne die Länder der Böhmischen Krone bestehen sollte, durch die italienische Annexion Südtirols und die tschechoslowakische Besetzung des Sudetenlandes nicht mehr realisierbar ist, wird der junge Staat nach der Unterzeichnung des Vertrages von Saint-Germain am 21. Oktober 1919 in Republik Österreich umbenannt.

Für den neuen Staat Österreich stellen sich nun zwei besondere Herausforderungen: Zum einen muss sich die Bevölkerung von den traumatischen Erfahrungen des Ersten Weltkrieges erholen. Wirtschaftlich ruiniert, fällt es den Bewohnern des Landes, das einst das Zentrum eines jahrhundertelang bestehenden Kaiserreiches gebildet hatte, schwer, an eine gute Zukunft zu glauben. Zum anderen herrscht mit einem Mal eine bisher nicht gekannte Staatsform vor: die Republik. Mit ihr kommen viele Veränderungen in Politik, Gesellschaft und Bürokratie zustande.

Die schwierige Wirtschaftslage nach dem Weltkrieg 

Die Wirtschaft der jungen Ersten Republik ist zunächst durch den Weltkrieg in starkem Maß geschwächt. Anders als das Deutsche Reich muss Österreich wegen seiner schwachen Wirtschaftslage keine Reparationen an die Siegermächte zahlen. Es kommt jedoch – wie in Deutschland – zu einer Hyperinflation („galoppierende Inflation“), das Geld verliert rasant an Wert. Viele Menschen verlieren daraufhin ihre Arbeit und müssen hungern. Die christlich-soziale Regierung ab 1920 hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Inflation und die Verschuldung zu stoppen. Daher werden die Staatsausgaben, Löhne und Pensionen drastisch gekürzt und neue Steuern eingeführt. Dadurch sinkt die Kaufkraft, die Wirtschaft verschlechtert sich noch mehr.

Durch die Unterzeichnung der Genfer Protokolle am 4. Oktober 1922 erreicht Österreich durch eine Völkerbundanleihe die Einführung einer neuen Währung, des Schillings, der ab 1925 zum gesetzlichen Zahlungsmittel der Ersten Republik wird. Danach setzt ein zögerlicher Wirtschaftsaufschwung ein, der jedoch nur von kurzer Dauer sein sollte: Ab 1929 macht sich die Weltwirtschaftskrise in Österreich wieder bemerkbar.

Die Weltwirtschaftskrise 1929

Im Laufe der 1920er Jahre verzeichnet der Dow-Jones-Index, einer der ältesten Aktienindizes, plötzlich ungeahnte Anstiege, was zahlreiche Anleger und Spekulanten dazu veranlasst, Aktien zu kaufen. Nicht nur Firmen und Großanleger, sondern vor allem auch Kleinanleger werden auf diese Weise angelockt, die sich damit ihren Traum vom großen Geld in kurzer Zeit verwirklichen wollen. Zu diesem Zweck nehmen viele Anleger hohe und kurzfristige Kredite auf, die sie mithilfe des erhofften Gewinns aus der Aktienspekulation zurückzahlen wollen. Der Dow-Jones steigt weiterhin, die lauten Warnungen der Wirtschaftsexperten werden in den Wind geschlagen.

Im Oktober 1929 stagniert der Dow-Jones jedoch plötzlich. Die Anleger werden deshalb nervös, denn sie werden sich des Risikos bewusst, das sie mit ihrer Spekulation eingegangen sind. Vor allem die Kleinanleger erkennen, dass sie wohl nicht dazu in der Lage sein werden, ihre Kredite zurückzuzahlen. In Panik verkaufen die Spekulanten ihre Aktien, teilweise mit großen Verlusten. Diese Tatsache führt dazu, dass die Börsenkurse rasant einbrechen...

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