Das neue Volksstück

Wenn Horváth nun seinen Dramen den Untertitel Volksstück in drei Teilen verleiht, so erweckt er beim Publikum eine gewisse Erwartungshaltung. Volksstück, das bedeutet ursprünglich Harmonie, Gemütlichkeit, Spaß und heile Welt. Doch mit dieser Verklärung der volkstümlichen Lebensart hat Horváths „neues“ Volksstück nichts mehr zu tun. Stattdessen nutzt der Schriftsteller die Bezeichnung als Vehikel, um eine neuartige und kritische Botschaft zu vermitteln:

„Die Bezeichnung Volksstück war bis dahin in Vergessenheit geraten. Natürlich gebrauchte ich diese Bezeichnung nicht willkürlich, […] sondern deshalb, weil mir so etwas wie eine Fortsetzung, Erneuerung des alten Volksstückes vorgeschwebt ist – – also eines Stückes, in dem Probleme auf eine möglichst volkstümliche Art behandelt und gestaltet werden, Fragen des Volkes, seine einfachen Sorgen, durch die Augen des Volkes gesehen“ (S. 108).

Horváths Volksstücke sind im kleinbürgerlichen Milieu angesiedelt. Ursprünglich ist der Kleinbürger jemand, welcher der (unteren) Mittelschicht angehört. Die zeitgenössischen „vollendeten oder verhinderten Kleinbürger“ (S. 108) (Selbstständige, Beamte etc.) sind in Horváths Verständnis weniger eine ökonomische homogene Gruppe, sondern vielmehr eine ideologische Schicht mit einem gewissen „kleinbürgerlichen Bewusstsein“. Sie sind durch eine eingeschränkte Geisteshaltung gekennzeic...

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