Sprache

Der Bildungsjargon

Die Sprache in Horváths Stück Geschichten aus dem Wiener Wald scheint auf den ersten Blick seltsam anzumuten: Sie klingt irgendwie österreichisch, doch nicht ganz wie die Wiener Alltagssprache, Dialekt ist es aber auch nicht. Alles wirkt ein bisschen „gekünstelt“, manchmal nahezu befremdlich oder komisch. Der Grund dafür ist, dass der Autor seine Figuren – die Kleinbürger – im sogenannten „Bildungsjargon“ sprechen lässt. Horváths Bildungsjargon ist eine Pseudosprache, also keine reale Sprache, sondern eher eine sprachliche Konstruktion, mit der die Figuren sich als gebildeter präsentieren wollen, als sie eigentlich sind.

Im Gegensatz zur Bildungssprache handelt es sich dabei um einen abwertenden Begriff für eine gekünstelte Umgangssprache, die vorgibt, Hochsprache zu sein. Die Sprecher dieses Jargons sind die „Kleinbürger“ – für Horváth ein Synonym für die untere Mittelschicht –, die durch die (oft falsche) Verwendung von intelligent klingenden Floskeln, Phrasen, Sprichwörtern, Zitaten und Neologismen vorgeben, dem Bildungsbürgertum anzugehören.

Die Sprecher des Bildungsjargons bedienen sich dieser Sprachform mit vollkommener Ernsthaftigkeit, potentielle Fehler werden nicht als solche erkannt, wodurch ihre Ausdrucksweise für Außenstehende oft unfreiwillig komisch wirkt. In Geschichten aus dem Wiener Wald sind zahlreiche Beispiele für diesen Bildungsjargon zu finden, der sich durch den Unterschied zwischen Sprachniveau und sozialer Herkunft auszeichnet. Die Spießbürger sind durch eine Vorliebe für Sprüche, Zitate, pathetische oder bildungssprachliche Formulierungen gekennzeichnet. Vor allem Alfred, Oskar, Erich und der Zauberkönig geben sich durch ihre Sprache besonders gebildet.

Alfred benutzt Fachvokabular und erklärt beispielsweise seiner Mutter: „Der Hierlinger Ferdinand darf ja gar keine sauere Milch essen, weil er eine chronische Nikotinvergiftung h...

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