Leitmotive

In den Geschichten aus dem Wiener Wald ziehen sich drei Elemente leitmotivisch durch den Text hindurch: Die Stille, die Dummheit und der Tod.

Stille

Beim Lesen des Dramas fällt besonders die Tatsache auf, dass sehr viele Regieanweisungen zu verzeichnen sind, die eine Stille oder eine Pause markieren. Insgesamt kommen die Regieanweisung Stille in Horváths bekanntestem Volksstück circa 130 Mal und die Regieanweisung Pause 21 Mal vor. Immer wieder werden die Gespräche durch die Hinweise des Autors unterbrochen. Die Handlung spielt teilweise in der Wachau, aber hauptsächlich in einer stillen Wiener Straße im achten Bezirk.

Was hat es nun mit diesen vielen Stillen und Pausen auf sich? Horváth legt in seiner Gebrauchsanweisung großen Wert auf deren Einhaltung: „Bitte achten Sie genau auf die Pausen im Dialog, die ich mit ‚Stille‘ bezeichne“ (S. 110). Für den Schriftsteller „kämpft [in den Stillen] das Bewußtsein oder Unterbewußtsein miteinander, und das muß sichtbar werden“ (S. 110).

Häufig markieren die Stillen die Ernsthaftigkeit der Aussage und räumen den Figuren Zeit ein, eine ausweichende Antwort zu finden. Außerdem geben die Pausen dem Publikum die nötige Zeit, das soeben Gesagte zu reflektieren.

Im Folgenden sind einige Beispiele aus dem Text aufgeführt, welche die gestörte Kommunikation zwischen den Figuren demaskieren. Sie reden häufig aneinander vorbei und ihre Dialoge bestehen oft aus einstudierten Phrasen des Bildungsjargons:

  • Aneinander vorbeireden: „Oskar Du liebst mich also nicht? / Marianne Was ist Liebe? Stille.“ (S. 20) – Um sich Oskars Frage zu entziehen, antwortet Marianne ihm mit einer philosophischen Frage. Die Pause markiert und unterstreicht die Wichtigkeit der Aussage. Dann beantwortet Oskar nicht die Frage, sondern stellt nun seinerseits eine ausweichende Gegenfrage: „Was denkst du jetzt?“ (S. 21).

Im nächsten Beispiel werden zwei Pausen eingelegt: „Marianne: Daß du mir immer weh tun mußt. Stille.Oskar: Böse? Stille.Oskar Na? / Marianne Manchmal glaub ich schon, daß du es dir herbeisehnst, daß ich ein böser Mensch sein soll – / Oskar Marianne! Du weißt, daß ich ein religiöser Mensch bin und daß ich es ernst nehme mit den christlichen Grundsätzen!“ (S. 20) – Hier beginnt das Kuriose mit Oskars Beißen und endet mit christlichen Grundsätzen! Auch hier markieren die Pausen die Ernsthaftigkeit der Situation, die Oskar ignoriert und der er mit Phrasen begegnet.

  • Lüge: „Alfred Ich hab nichts mit ihr [Valerie] zu tun. Stille.“ (S. 9) – Alfred belügt seine Mutter in deisem Moment, denn in Wirklichkeit hat er eine Affäre mit Valerie. Die Mutter versucht nicht, mehr darüber zu erfahren, sondern eröffnet ihm nach der Pause einen Ausweg in Form einer Sentenz und einer Entschuldi
...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen