Pauline Piperkarckas Mutterkonflikt

Schwangerschaft und Verzweiflung

Die Mutterschaft der Pauline Piperkarcka beginnt zunächst schwierig. Als deutlich zu erkennen ist, dass sie schwanger ist, bekommt sie große Probleme, da sie inzwischen im achten Monat schwanger ist: „Wat hab ick Oktober vorijen Jahr bis heutjen Tag vor Himmelsangs ausjestanden.“ (S. 8).

An ihre Eltern kann sie sich nicht wenden, da sie Angst davor hat, dass ihre Mutter bei diesem Anblick laut aufschreit (S. 5), ihr Vater ihren „Kopf an die Wand [haut]“ (S. 6) und sie auf die Straße wirft. Sie hat kein Geld mehr, außer „zwei Joldstücke[n]“ (S. 6) und beschuldigt ihren Liebhaber, den Instrumentenbauer Alois Theophil Brunner“ (S. 6), dass er „nich Mark nich Pfennig übriggelassen“ (S. 6) hat.

Überhaupt ist das Verhältnis zu dem Vater ihres Kindes, zu Alois Theophil Brunner, der sie inzwischen verlassen hat, sehr angespannt: „Hat mir betrogen, zujrunde jerichtet, hat mir Jeld jeraubt, hat mich Ehre jeraubt! hat mich verfluchtiger Hund verführt, verlassen, belogen, betrogen, in Elend jestoßen! [...] Soll blind sein! Nase soll wegjefressen sein! Soll jar nich mehr überhaupt auf Erde sein!“ (S. 8). Hinzu kommt, dass ihr die „Schlafbodenstelle“ (S. 8) gekündigt wurde und sie nun kein Zuhause mehr hat. Die Piperkarcka ist so verzweifelt, dass sie sich im „Landwehrkanal“ (S. 5) ertränken will.

Geburt und Muttergefühle

Frau John appelliert an ihre Muttergefühle und will das Kind an ihrer Stelle aufziehen. Sie verspricht der Piperkarcka, dass es ihr Kind bei ihr „jut wie`n eejnet Kind“ (S. 6) haben wird und dass sie es immer besuchen kann (S. 6). Sie will ihr sogar Geld dafür geben (S. 8). Doch die Piperkarcka will das Kind „liber bei die Jeburt erwürgen“ (S. 8), als es zu verkaufen. In ihrer Verzweiflung ruft sie aus: „Wat du ick denn, dass man mir so verachtet und von die Leute verflucht un ausstoßen muss?“ (S. 8).

Es ist ihr in dieser Situation unmöglich, echte Mutterliebe für das ungeborene Kind zu entwickeln, da sie von ihrem gesamten sozialen Umfeld dafür mit Verachtung gestraft wird. Das Kind stellt daher in vielerlei Hinsicht für sie ein großes Problem dar. Doch sie entscheidet sich schließlich dafür, das Kind Frau John zu überlassen, und bringt es auf dem Dachboden des Mietshauses zur Welt. Nach einiger Zeit aber meldet sich das schlechte Gewissen (S. 39) bei der Piperkarcka und ihre Muttergefühle erwachen.

Sie besucht Frau John, um nach dem Kind zu sehen und zu schauen, „ob jesund is, ob jut in Stand“ (S. 39). Es hat sie „herjetrieben“ (S. 39) und sie sagt zu Frau John, dass sie „nich länger warten“ (S. 39) konnte. Als sie aber von ihrem Kind spricht: „Mein Kind ...“ (S. 39), schlägt ihr Frau John heftig ins Gesicht und droht ihr weitere Gewalt an: „Det sache noch mal, un denn kriste so lange den Schuh um de Ohren, bis et dir vorkommt, det du `ne Mutter von Drillinge bist“ (S. 39) und will sie aus der Wohnung werfen: „Nu raus! Und nu lass dir nich wieder blicken!“ (S. 39).

Als die Piperkarcka anfängt zu weinen und laut ausruft, dass sie von Frau John misshandelt wurde, verkehrt sich aber plötzlich das Verhalten von Frau John ins Gegenteil. Sie bittet die Piperkarcka um Verzeihung und hält sie davon ab, zur Wache zu gehen und sie anzuzeigen (S. 39).

Die Piperkarcka gibt Frau John das Geld zurück, das sie von ihr im Gegenzug für ihr Kind erhalten hat. Sie kann das Geld nicht behalten, da es sich für sie „wie [eine] Schlange unter]m] Kopfkissen“ (S. 40) anfühlte und ihr „jebrannt“ (S. 40) hat. Wenn sie müde eingeschlafen ist, dann hat das Geld sie „jepeinigt, hat mir umringt, hat mir jequetscht, wo ick habe laut aufjeschrien“ (S. 40).

Der bittere Mutterkonflikt

Ihre Hauswirtin hat sie, auf dem Boden liegend, gefunden, nachdem sie nach der Geburt „fast abjestorben“ (S. 40) ist. Da sie einige Zeit aufgrund ihrer körperlichen Schwäche nicht mehr laufen konnte, kann sie erst jetzt nach ihrem Kind sehen: „Hätt ick laufen jekonnt, wär ick früher jekomm“ (S. 40). Nun will sie „jetzt sehen, warum jekommen bin“ (S. 40).

Doch nun gerät ihre mütterliche Fürsorge in einen heftigen Konflikt mit der von Frau John, von der die nun „mit einem verzehrenden Ausdruck namenlosen Hasses“ (S. 41) angesehen wird. Frau John fragt sie aggressiv, ob sie das sehen will, „wat de hast mit deine zwee Hände erwürjen jewollt“ (S. 41), und droht ihr, sie anzuzeigen: „Wiste noch liijen? Ick werde dir anzeijen“ (S. 41). Sie gibt der Piperkarcka keine Gelegenheit, ihre mütterlichen Gefühle für das Kind auszuleben.

Daher bemerkt sie Frau John gegenüber auch, dass sie sie „jenug jequält und bis auf`t Blut jemartert“ (S. 41) hat, denn Frau John hat ihr zuvor auf Tritt und Schritt nachgestellt (S. 41), ihr Hoffnung gemacht, ihr mit „Spitzbubenjungen Angst jemacht“ (S. 41), „Karten ge...

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