Dominanz und sexuelle Abhängigkeit

Eine Furie als Ehefrau

Eine wichtige Rolle für die Handlungsentwicklung spielt das Verhältnis, in dem Thiel zu seiner zweiten Frau Lene steht. Die Figur Lene bildet einen starken Kontrast zur verstorbenen Minna. Dies liegt nicht nur an deren unterschiedlichem Äußeren und Charakterzügen, es liegt auch daran, wie unterschiedlich Thiel die Frauen sieht. „Er, der mit seinem ersten Weibe durch eine mehr vergeistigte Liebe verbunden gewesen war, geriet durch die Macht roher Triebe in die Gewalt seiner zweiten Frau und wurde zuletzt in fast allem unbedingt von ihr abhängig“ (S. 7).

Thiel und Lene sind keine gleichberechtigten Ehepartner, sondern sie leben in einem ungleichen Machtverhältnis zueinander. Dass Lene in der Ehe dominant ist, wird zum einen durch ihren Charakter verursacht. Sie hält „endlose Predigten“ (S. 5), wird als hart, herrschsüchtig und zänkisch charakterisiert (vgl. S. 5), sie fasst selbst Entschlüsse (z. B., den Kartoffelacker zu bestellen) und setzt ihre Ansprüche mit „kreischendem Gekeif“ (S. 6) durch. Ihr Einfluss geht so weit, dass sie sogar Thiels Gedankenwelt dominiert, während er bei der Arbeit ist: „Die stillen, hingebenden Gedanken an sein verstorbenes Weib wurden von denen an die Lebende durchkreuzt“ (S. 6).

Thiel ist dagegen ein eher passiver Charakter, er ist phlegmatisch ...

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