Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Leben auf dem Land

Durch naturalistische Werke, wie „Bahnwärter Thiel“, wurde die Aufmerksamkeit der Literatur auf eine gesellschaftliche Schicht gerichtet, die bisher nur in sehr geringem Maße im Fokus stand: Die Angehörigen des sogenannten vierten Standes. Es handelte sich dabei um Menschen, die niedriger als das Bürgertum gestellt waren: Tagelöhner, Industriearbeiter, Prostituierte, Arbeitslose, Kranke und verelendete Menschen.

Auf dem Land waren auch zahlreiche arme Leute zu finden, besonders die Landstreicher, die Landarbeiter, die ärmeren Bauern und deren Gesinde, die täglich einen harten Kampf um das Überleben führen mussten. Eine Beschäftigung und ein Lohn standen für diese Schicht der Armen an allererster Stelle im Leben, denn anders hätten die Familien sich gar nicht ernähren können. Die Figur Lene aus der Novelle gehört als ehemalige Kuhmagd zu dieser benachteiligten sozialen Schicht des vierten Standes. Sie wird, als sie Thiel heiratet, zur Landarbeiterin und besitzt nur ein sehr kleines Stück Land, den Kartoffelacker, welchen Thiel geschenkt bekommt.

Ende des 19. Jahrhunderts wohnten über 40 Prozent der Deutschen auf dem Land, trotz der stetig zunehmenden Landflucht. Sie lebten in Dörfern oder kleinen Kolonien. Der Pfarrer, welcher an der Spitze der Hierarchie stand, leitete die Gemeinde. Diese pyramidale soziale Struktur lässt sich auch anhand der Gemeinde Neu-Zittau in Gerhart Hauptmanns „Bahnwärter Thiel“ nachweisen.

Die Familienorganisation war oft patriarchalisch und traditionell geprägt: Die Frau war für die Hausarbeit, die Versorgung der Kinder und leichtere Arbeiten auf de...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de, erhalten Sie Zugang zu alle E-Books.

Erhalte Zugang für nur 4,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen