Eine psychologische Studie

Triebe und „Über-Ich“

Als „Bahnwärter Thiel“ erschien, war Sigmund Freuds Psychoanalyse noch nicht entwickelt worden – sie wurde erst in den 1890er Jahren konzipiert. Doch das Interesse an der menschlichen Psyche war auch vorher, schon im gesamten 19. Jahrhundert, enorm groß. Das Interesse nahm bereits in der längst vergangenen Epoche der Romantik einen großen Einfluss auf alle Kunstbereiche (z. B.: „Das Fräulein von Scuderi“, E. T. A. Hoffmann).

Dass das menschliche Verhalten von Kräften und Trieben gesteuert wird, die nicht immer kontrolliert werden können, hatte man schon vor der Psychoanalyse Freuds erkannt, ohne jedoch den Einfluss des Unbewussten unbedingt als so fundamental einzuschätzen. Auch wenn Hauptmanns Novelle also nicht direkt auf den Theorien Freuds basiert, erinnert vieles an den Beschreibungen des Innenlebens Thiels an die geläufigen Theorien der Psychoanalyse.  

Sogar der typische Konflikt des „Über-Ichs“ mit dem „Es“ wird an Thiel ganz deutlich bewusst. Sein nicht steuerbarer Trieb (Es) bindet ihn an Lene, die aber wiederum Tobias missbraucht. Deswegen bekommt Thiel ein schlechtes Gewissen (Über-Ich) (vgl. S. 22). Er ekelt sich vor sich selbst (Über-Ich), weil er Lene gegenüber so triebgesteuert ist (Es), und schämt sich sozusagen vor seiner verstorbenen Frau, mit der er durch...

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