Elemente des Naturalismus im Werk

Das Werk „Bahnwärter Thiel“ wird aus gutem Grund der literarischen Strömung des Naturalismus zugeordnet. Auch wenn es nicht alle Aspekte des typischen naturalistischen Kunstwerks in sich vereint (zum Beispiel wird hier keine Alltagssprache verwendet: Die Figuren sprechen Hochdeutsch und keinen Dialekt), so enthält es doch hauptsächlich solche.

  • Die Einzelheiten werden detailgetreu dargestellt: Die Naturalisten trieben den Anspruch der Realisten, das Sichtbare abzubilden, auf die Spitze. Nichts sollte ausgelassen werden, Belanglosigkeiten sollten den gleichen Stellenwert haben wie wichtige Ereignisse, und alles wurde haargenau beschrieben. In „Bahnwärter Thiel“ kommt Hauptmann diesem Anspruch an vielen Stellen nach, z. B. bei der folgenden Beschreibung einer Nebelkrähe, die sonst in der Handlung keine weitere Bedeutung hat: „Sie spreizte die Federn, schüttelte sich, nickte, stieß ein ohrenzerreißendes Krä-krä aus und erhob sich mit pfeifendem Flügelschlag, um sich vom Winde in der Richtung des Forstes davontreiben zu lassen“ (S. 14).

  • Die detailgetreuen Schilderungen werden verstärkt durch die im Naturalismus typische Verwendung des Sekundenstils: Hier wird zeitdeckend erzählt, das heißt, man liest in dem gleichen Tempo, in dem die Dinge, die beschrieben werden, geschehen. Diese literarische Finesse kommt z. B. im dritten Kapitel auf dem Höhepunkt der Handlung zum Tragen, als Thiel mitbekommt, dass Tobias auf den Gleisen verunglückt ist (siehe Analyse: Darstellungsweisen)....

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