Novelle oder novellistische Studie?

Novelle

„Bahnwärter Thiel“ wird als eine novellistische Studie bezeichnet, doch auch häufig als Novelle behandelt. Es steht die Frage im Raum, ob Hauptmanns berühmte Geschichte eindeutig der einen oder anderen Textform zuzuordnen ist, welche Überschneidungen es gibt und welche Widersprüche festzustellen sind.

Formal entspricht „Bahnwärter Thiel“ den Anforderungen an eine Novelle. Es handelt sich um eine geschlossene Geschichte mit klarem Anfang und Ende. Mit ca. 40 Seiten ist die Handlung schnell erzählt, übersteigt aber längenmäßig den Standard einer Kurzgeschichte. Die Novelle enthält eine Einleitung, eine steigende Spannungskurve bis zum Höhe- und Wendepunkt, wonach die Kurve abfällt und eine Auflösung der Situation erfolgt, hier: Die Einweisung Thiels in eine psychiatrische Klinik.

Auch inhaltlich spricht fast nichts dagegen, das Werk dem Genre der Novelle zuzuordnen: Die Geschichte des Bahnwärters Thiel, der zum Mörder wird, nachdem er alles, was liebt, verloren hat, war eine sogenannte unerhörte Begebenheit. Nur wenige Figuren kommen in der Novelle vor, und der Fokus der Geschichte richtet sich ganz auf das Schicksal dieser Wenigen, hier Thiel, Lene und deren Kinder. Nebenhandlungen gibt es nicht. Die Handlung ist realistisch, d. h., sie könnte tatsächlich so geschehen sein.

 „Bahnwärter Thiel“ enthält sogar das fü...

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