Verfall

Das im Lahr 1909 verfasste Gedicht Trakls „Verfall“ ist eines der frühesten Werke des bekannten Dichters. In der ersten Niederschrift des Lyrikers trug es noch den Titel „Herbst“. 1913 wurde es in dem Gedichtband „Georg Trakl: Gedichte“ publiziert und damit ein Jahr, bevor Trakl am 3. November 1914 an Herzlähmung verstarb. Als Todesursache wurde jedoch »Suicid durch Cocainintoxication« angegeben.

Form, Metrik und Titel

Das Gedicht „Verfall“ ist wie ein klassisches  Sonett, bestehend aus zwei Quartetten, gefolgt von  zwei Terzetten, aufgebaut. Die Versform ist ein fünfhebiger Jambus mit einem umarmenden Reim, der sich in den Quartetten zeigt, und einen Kreuzreim, der über beide Terzette hinweg erweitert wird. Bereits der Titel des Gedichts weist in eine bestimmte Richtung: Verfall bedeutet Vergänglichkeit und Tod.

Das erste Quartett

Die friedvolle Stimmung des abendlichen Glockenläutens eröffnet das Sonett mit dem ersten Vers. Allein der Glockenschlag suggeriert dem Lyrischen Ich Frieden. Damit wird zugleich ein religiöser Bezug gestiftet, der mit dem nächsten Motiv fortgesetzt wird: Die „wundervollen Flüge[ ]“ der Vögel vergleicht der Sprecher mit „frommen Pilgerzügen“, die wie die Zugvögel in den Herbsthimmel „entschwinden“. Das Bild der prachtvollen fliegenden Zugvögel verkörpert nicht mehr nur eine Naturerscheinung, sondern wird ins Religiös–Sakrale erhöht.

Der Flug der Tiere ist zugleich der Ausdruck des natürlichen Kreislaufs der Natur; die Tiere kündigen den Winter an, indem sie das Land verlassen. Mit ihrer Rückkehr werden sie wiederum zu den Vorboten des Frühlings. Ihr Flug repräsentiert den Mythos der ewigen Wiederkehr.  Das Enjambement am Ende des ersten und zweiten Verses verstärkt den Moment des Fliegens und der Bewegung

Das Bild der Zugvögel lösen bei dem Lyrischen Ich eine Träumerei aus, die es aus der Realität zu entrücken scheint. Das eigene Empfinden scheint aufgehoben zu sein in dem Kreislauf der mythischen Natur und der religiösen Erhabenheit. Gleichzeitig werden auch die Menschen mit einbezogen, denn der Vergleich, der die Zugvögel charakterisiert, lässt an die gläubigen Menschen denken, die zu einer heiligen Stätte pilgern.

Das zweite Quartett

Jetzt wird der Ort benannt, in dem sich das lyrische Ich befindet - in einem Garten. Dieser Garten ist „dämmervoll“, also geheimnisvoll, in dem der Sprecher nicht einfach nur geht, sondern träumerisch umher „wandelt“. Er träumt von „helleren Geschicken“, die ihm die Zugvögel verheißen, und könnte damit einen symbolischen Ort meinen, der Wärme und Helligkeit verspricht – vielleicht das Paradies?

Positive Adjektive, wie „wundervoll“, „klar“ und „hell“ evozieren in diesem, wie auch schon im ersten Quartett eine positive, anmutige Grundstimmung. Die Natur- und Tiermotive stehen symbolisch für das innere Erleben des Lyrischen Ichs. Es sind die Bilder, die die Sehnsucht des Menschen darstellen.

In dem dritten Vers vergisst das Lyrische Ich fast die Zeit, weil es ganz in Gedanke...

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