De Profundis

Titel und Metrik

Georg Trakls Gedicht „De Profundis“ ist erstmals im Jahr 1912 in der Zeitschrift „Der Brenner erschienen. Ein Jahr später veröffentlichte es Trakl als Teil seiner Gedichtsammlung „Gedichte“.

Der Titel des Gedichts ist ein Bibelzitat: Es ist der Anfang des Bußpsalms 130 und bedeutet, ins Deutsche übersetzt „rufe ich, Herr zu dir“. Dieser Ausspruch wurde von dem König David gerufen, der Gott um die Vergebung seiner Schuld bat, denn er hatte den Hethiter Urias umbringen lassen, um seine Frau heiraten zu können. Nicht nur intertextuelle Referenzen zu der Bibel, sondern auch zu den Werken der beiden französischen Dichter Arthur Rimbaud und Charles Baudelaire sind in dem Titel und Gedicht enthalten.

Das Gedicht umfasst sechs Strophen. Drei Terzette (zweite bis fünfte Versgruppe) werden durch zwei Quartette am Anfang und am Ende des Gedichts eingerahmt. Mit dieser Form lässt sich das Gedicht keinem traditionellen Schema zuordnen. Das Gedicht ist reimlos und die einzelnen Verse mit zwei bis sieben Takteinheiten unterschiedlich lang. Die erste Strophe beginnt mit einem jambischen Versmaß, verstärkt durch die dreifache Anapher „Es ist ein“. Das Versmaß wird dann aber aufgehoben, sodass der Rest des Gedichts in einem unregelmäßigen Metrum verfasst ist.

Erste Strophe

Das Gedicht beginnt mit einem Landschaftsbild. Mit dem „Es ist ein“ wird ein Motiv eröffnet, auf das gewissermaßen verwiesen oder gezeigt wird. Das Stoppelfeld verweist zunächst auf die Jahreszeit des Spätsommers oder Herbstes. Dies ist zunächst ein herkömmliches Bild. Dieses wird jedoch sogleich verwandelt: Es regnet, doch ist es „schwarzer Regen“, der auf das Feld fällt. Mit dem Adjektiv schwarz erhält das Motiv eine eindeutig düstere und apokalyptische Note. Vielleicht hat es ein Gewitter gegeben, denn bei sehr dunklen Wolken könnte der Regen als schwarz bezeichnet werden.

Auch die nächste Zeile beginnt mit dem zeigenden „Es ist ein“, in der das Naturmotiv weiter ausgestaltet wird. Der braune Baum wird personifiziert, wenn er mit Einsamkeit in Verbindung gebracht wird, denn auch der Baum steht „einsam“. Die Farbe Braun indiziert, dass seine Blätter bereits gefallen sind. Er ist absterbend oder das Leben ist schon aus ihm entwichen. Die letzte Anapher „Es ist ein“ verweist auf den Wind, der zischelt, also stark zu sein scheint, und um eine leere Hütte pfeift. Das Geräusch des Zischelns assoziiert zugleich die Vorstellung von einer Schlange, also etwas Unheimliches oder Böses. Auch die Leere der Hütte reiht sich in das Bild der Verlassenheit und Traurigkeit ein.

In diesem Zusammenhang liest sich auch das Stoppelfeld in einem anderen Licht: Ein Stoppelfeld ist abgeerntet, demnach auch leer. Die Handlung wird damit in die Zeit nach der Ernte, also in den Spätsommer, versetzt. Der vierte Vers beschließt die melancholische Stimmung bekräftigend mit der Aussage „wie traurig dieser Abend“. Die letzte Zeile datiert das Bild zeitlich auf den Abend und lässt es in einer Art Zusammenfassung enden. 

Zweite Strophe

Die zweite Strophe eröffnet ein anderes Motiv. Eine alte Frau, die „Waise“, sammelt das noch übrig gebliebene Korn entfernt von einem Weiler, mit dem ein Dorf gemeint ist. Als Waise bezeichnet man solche Menschen, die ihre Eltern verloren haben. Die Frau scheint sehr gutmütig zu sein, denn sie wird als sanft beschrieben. Da sie auf die Ähren angewiesen ist, die noch auf dem Boden liegen, scheint sie außerdem arm zu sein.

Das besondere Augenmerk richtet sich auf die Augen der Frau, denn weiter heißt es in Vers sieben: diese „weiden rund und goldig in der Dämmerung“. Das Verb „weiden“ wird eigentlich für Tiere verwendet, die auf einer Wiese weiden. Auch die Attribute „rund und goldig“ sind in ihrer Beschreibung verändert, denn sie passen eher auf die Beschreibung der Sonne oder anderer Himmelsgestirne. Die Sanftheit der Frau scheint durch ihre Augen zu sprechen, sodass sie regelrecht golden erscheinen. Die Dämmerung weist darauf hin, dass sich das Geschehen am frühen Abend vollzieht. 

Die Worte „Waise“ „Weiler“, „weiden“ stellen dabei durch das ...

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