Printemps

Titel, Form und Metrik

Das von Georg Heym 1911 verfasste Gedicht wurde 1922 veröffentlicht. Auffallend ist zunächst der französische Titel, der, ins Deutsche übersetzt, Frühling bedeutet. Georg Heym war ein großer Verehrer der französischen Symbolisten, wie Arthur Rimbaud oder Paul Verlaine, sodass die Sprachwahl nicht überrascht.

Heyms Gedicht ist ein Sonett. Es besteht aus zwei Quartetten, denen zwei Terzette folgen. Die Quartette weisen einen umarmenden Reim auf (abba) und die Terzette einen erweiterten Kreuzreim (abc/bac). Ein fünfhebiger Jambus bestimmt die Versgestaltung, die durchweg männliche Kadenzen aufweist. Die Verse zwei und vier weichen von dem natürlichen Sprechrhythmus ab.

Das erste Quartett

Der erste Vers des Sonetts zeichnet ein ungewöhnliches Bild. Ein Feldweg tritt als Subjekt des Gedichts auf. Dieser Feldweg wird personifiziert, wenn es heißt: „der in weißen Bäumen träumt“. Dieses anmutige Stimmungsbild wird in der nächsten Zeile fortgesetzt, das einen eindeutigen Bezug zu dem meteorologischen Frühling mit seiner weißen Kirschblüte herstellt.

Der Feldweg „zieht fern über Feld“ führt die zweite Zeile fort. Dieser Pleonasmus - die Doppelung einer Aussage gleichen Sinns - taucht auch in dem dritten Vers auf, der ein neues Bild entwirft. Hier sind es die „hellen Zweige“, die „feierlich erhellt“ sind und in der Abendstimmung „zittern“. Das 'in die Ferne Ziehen' des Feldwegs und die Helligkeit der Zweige werden durch den Pleonasmus verstärkt. Die Zweige zittern nicht irgendwo, sie sind durch die Apposition „wo“ dem Platz der Wolke zugeteilt. Dieser Satz setzt sich über die Strophe hinweg in dem ersten Vers des zweiten Quartetts fort.

Das zweite Quartett

Die Wolke wird jetzt mit einem „düstren Berg“ verglichen, der sich auftut. Die Wendung „wo die Wolke säumt“ wird in dem ersten Vers des zweiten Quartetts wieder aufgenommen, denn die Wolke säumt den Tag mit einem goldenen Grat. Beschrieben wird hier das Bild der Abendsonne, die einen goldenen Strich am Himmel hinterlässt. Die Dunkelheit der Wolke bedeutet an dieser Stelle nicht unbedingt eine Unterbrechung der Idylle.

Einerseits könnte man an dieser Stelle schon eine Unheil verkündende Vorausdeutung herauslesen, die in den Terzetten fortgeführt wird. Andererseits wird aber durch die Dunkelheit der Wolke ein Kontrast gebildet, der das goldene Leuchten des Sonnenstrahls noch stärker zur Geltung bringt. Der Anblick einer Wolke am Himmel, unter der die Sonne durchbricht, wirkt ...

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