Willensfreiheit

Büchner beschäftigt sich mit der Frage der Willensfreiheit in der Doktor-Szene (Szene 8), die sich im Behandlungszimmer abspielt. Er lässt den Doktor sagen: „[...] der Mensch ist frei, in dem Menschen verklärt sich die Individualität zur Freiheit“[1], in Verbindung mit Woyzecks Urinprobe. Der Doktor scheint die bürgerliche Idee von der Emanzipation des Individuums zu vertreten: Der Mensch sei autonom und frei. Er könne eigenständig über sein Handeln und sein Leben bestimmen.

Der Doktor hat ihn gesehen: Er habe „an die Wand gepisst, wie ein Hund!“, wirft er ihn vor. Aber Woyzeck kann aufgrund der Nebenwirkungen der Erbsendiät, welcher er sich gegen Geld unterzieht, seine Blase nicht kontrollieren. Der Mediziner ärgert sich deshalb, weil der einfache Soldat eine Urinprobe nicht liefern kann. Er vergleicht Woyzeck mit einem Tier.

Woyzeck versucht, sich zu rechtfertigen: „Aber, Herr Doctor, wenn einem die Natur kommt“. Der zynische Arzt lehnt dieses Argument ab: „Hab ich nicht nachgewiesen, dass der musculus constrictor vesicae dem Willen unterworfen ist?“. Er benutzt die Sprache als Machtmittel, um Woyzeck zu unterdrücken. Lateinische Ausdrücke versteht der einfache Soldat leider nicht.

Der Unterschied zwischen Mensch und Tier sei der Wille, meint der Doktor. Dieser Gedanke ist eine An...

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