Woyzecks psychische Störung

Die Erbsendiät: Liebigs Versuchsergebnisse

Der deutsche Chemiker Justus Liebig (1803-1873) wollte 1833 herausfinden, ob Fleisch wirklich durch Hülsenfrüchte ersetzt werden kann. Er führte an der Universität Gießen Versuche an Soldaten durch, die dazu gezwungen wurden, sich drei Monate von Erbsenbrei zu ernähren, und die zwei Groschen am Tag, ebenso wie Woyzeck, erhielten. Er wollte untersuchen, ob es tatsächlich möglich ist, eine preisgünstigere Ernährung für Soldaten und Menschen der unteren sozialen Schichten zu entwickeln.

Durch die einseitige Ernährung kam es in der Folge zu gravierenden Mangel- und Vergiftungserscheinungen bei den Soldaten, die an Liebigs Versuchen teilnahmen, welche sich unter anderem in Form von Halluzinationen und starker geistiger Verwirrtheit manifestierten. Georg Büchner scheint diese Versuchsergebnisse seiner tragischen Hauptfigur, welcher sich der gleichen einseitigen Erbsendiät wie Lieblings Versuchspersonen unterzieht, hinzugefügt zu haben. Sie könnte das verwirrtes Verhalten und die geistige Verwirrung und die fehlende Zurechnungsfähigkeit des einfachen Soldaten erklären.

Woyzecks Empfindlichkeit und Misstrauen

Woyzecks Benehmen kann aus heutiger Sicht als hochsensibel charakterisiert werden. Darunter versteht man das psychologische und neurophysiologische Phänomen, dass gewisse Menschen Sinnesreize viel stärker als ihre Mitmenschen wahrnehmen und diese Wahrnehmung in ihren Handlungen verarbeiten müssen. Diese übertriebene Empfindlichkeit kann bei Woyzeck als paranoide Neigung gedeutet werden.

Schon zu Beginn der Handlung fühlt sich Woyzeck von den Fr...

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