Interpretation

Unsere umfassende Interpretation von Büchners Drama „Woyzeck“ (1879) geht auf die zentralen Aspekte der Handlung ein. Um die Handlungsentwicklung nachvollziehen zu können, werden dabei zuerst die verschiedenen Weltbilder der Figuren betrachtet. Jede der sechs Hauptpersonen repräsentiert ein eigenständiges Weltbild, das ihre Handlungen und ihren Charakter bestimmt. Dass der Autor gezielt Stereotypen der damaligen Gesellschaft erschafft, zeigt sich vor allem an den Figuren des Hauptmanns, des Doktors und des Tambourmajors.

Das tragische Ende der Handlung resultiert nicht nur aus Woyzecks Eifersucht aufgrund von Maries Untreue und aus seiner psychischen Unterdrückung durch seinen Vorgesetzten, sondern auch aus den menschenverachtenden Experimenten des Doktors, der ihn gegen Bezahlung einer Erbsendiät unterzieht. Die auf realen Versuchen von Justus Liebig basierende Fehlernährung bewirkt deutliche Krankheitserscheinungen, die schließlich den Protagonisten völlig neben sich stehen lassen. An unsere gründliche Deutung von Woyzecks psychische Störung schließt sich die Frage nach der Schuld Woyzecks an, die sowohl aus zeitgenössischer als auch aus heutiger Sicht betrachtet wird, um die Entwicklung in der Rechtsprechung zu verdeutlichen.

Die nächste Thematik, die untersucht wird, ist das Vertrauen, das eine zentrale Rolle in der Erzählung spielt. Ebenso geht die Interpretation auf die Darstellung der Gewalt ein, welcher der Antiheld ungeschützt ausgesetzt ist und die er schließlich auf eine schwächere Person überträgt. Ergänzt werden diese Betrachtungen durch Texte zu den Themen Willensfreiheit, Fatalismus, Materialismus und Nihilismus. Auch einen Abschnitt, der sich mit Woyzecks und Maries Religiosität sowie dem Antisemitismus, der im Werk vorhanden ist, beschäftigt, haben wir für Dich verfasst. Typisch für die Literatur des Vormärz ist eine deutliche Gesellschaftskritik, die auch in Woyzeck deutlich erscheint und anhand umfangreicher Beispiele abschließend erörtert wird.