Prinz Leonce

Langweile und Melancholie

Als Sohn König Peters ist Leonce Prinz des Königreichs Popo und verlobt mit Prinzessin Lena (vgl.: S. 6). Er wirkt sehr „alt unter seinen blonden Locken“ (S. 30), so als trüge er den „Frühling auf den Wangen, den Winter im Herzen“ (S. 30). Valerio, der im Laufe der Handlung zu Leonces einzigem Freund wird, sagt über ihn, er sei „ein Buch ohne Buchstaben, mit nichts als Gedankenstrichen“ (S. 20).

Tatsächlich ist Leonce in einem Teufelskreis gefangen: Er hat nichts zu tun und langweilt sich daher, will jedoch auch nichts zu tun haben und sehnt daher die Langeweile herbei: „Mein Leben gähnt mich an, wie ein großer weißer Bogen Papier, den ich vollschreiben soll, aber ich bringe keinen Buchstaben heraus“ (S. 16). Insofern leidet Leonce unter seiner eigenen Existenz und hat den Eindruck, dass er im Gegensatz zu allen anderen Menschen als Einziger die Sinnlosigkeit des menschlichen Daseins durchschaut: „Sie studiren aus Langeweile, sie beten aus Langeweile, sie verlieben, verheirathen und vermehren sich aus Langeweile“ (S. 8).

Diese Machtlosigkeit äußert sich bei Leonce einerseits in Form von Aggressivität, wenn er zum Beispiel Valerio Prügel androht (vgl.: S. 18), andererseits in heftigen Anfällen von melancholischem Selbstmitleid: „Ich bekomme manchmal eine Angst um mich und könnte mich in eine Ecke setzen und heiße Thränen weinen aus Mitleid mit mir“ (S. 27). Diese Einstellung lähmt Leonce regelrecht: Einerseits sagt er, er „glaube an Träume“ (S. 19), andererseits will er nichts verwirklichen: Er will weder Gelehrter, noch Held, noch Genie, noch nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft sein (vgl.: S. 21).

 Entsprechend seiner Stellung lässt Leonce sich bediene...

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