Rezension

Im Frühjahr des Jahres 1794 ist die Französische Revolution in die Phase der Schreckensherrschaft eingetreten. Schon derjenige, der nur im Verdacht steht, ein Feind der Freiheit und der Republik zu sein, muss fürchten, verurteilt und guillotiniert zu werden. An der Spitze der Revolutionsregierung steht Robespierre, der Unbestechliche, der Unermüdliche. Er arbeitet mitleidlos daran, nicht nur die politische, sondern auch die soziale Gleichheit aller Bürger durchzusetzen und die unteren Volksschichten aus ihrem Elend herauszuholen. Sein früherer Parteigenosse Danton, der ein ausschweifendes Luxusleben führt, ist ihm ein Dorn im Auge. Robespierre verabscheut Dantons Lasterhaftigkeit, so wie Danton Robespierres Tugendhaftigkeit verachtet.

Als Danton auf das Drängen seiner Freunde hin Robespierre zur Milde aufruft, ein Ende des Terrors verlangt und für jeden Einzelnen die Freiheit einfordert, so leben zu dürfen, wie es ihm gefällt, wird er zu einem gefährlichen, politischen Gegenspieler. Für beide Revolutionsführer geht es nun darum, die Unterstützung des Volkes zu erlangen. Das Volk jedoch hungert immer noch wie zu Zeiten der Könige. Es muss wütend zusehen, wie sich die Gutbürgerlichen bereichern und eine aristokratische Lebensweise praktizieren, während es selbst keine Besserung seiner Lebensumstände feststellen kann.

In seiner Wut verlangt das Volk ein Blutopfer. Danton versucht, das Volk davon zu überzeugen, dass noch mehr Blutvergießen kein Brot herbeischaffen wird. Doch er scheitert. Das Volk wendet sich gegen den ehemals beliebten Politiker. Er und seine Freunde werden hingerichtet und der Ruf nach Erbarmen und Menschlichkeit verstummt.

Büchners Drama von 1835 ist das Ergebnis einer ernüchternden und ihn selbst erschütternden Beschäftigung mit der Geschichte der Revolution. Büchner, der selbst radikal republikanisch gesonnen war und sich gegen das reaktionäre Regime der Restaurationszeit stellte, schreibt in einem Brief an seine Verlobte:

„Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem gräßlichen Fatalismus der Geschichte. Ich finde in der Menschennatur eine entsetzliche Gleichheit, in den menschlichen Verhältnissen eine unabwendbare Gewalt, Allen und Keinem verliehen. Der Einzelne nur Schaum auf der Welle, die Größe ein bloßer Zufall, die Herrschaft des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches Ringen gegen ein ehernes Gesetz, es zu erkennen das Höchste, es zu beherrschen unmöglich. Es fällt mir nicht mehr ein, vor den Paradegäulen und Eckstehern der Geschichte mich zu bücken.“ Quelle.

Diese Erkenntnisse verarbeitet er in seinem Schauspiel. Er präsentiert uns Machtmenschen, die nur noch reagieren, die sich selbst als fremdgesteuerte Puppen empfinden, denen es vor den eigenen Taten und Entscheidungen graust, und die versuchen, mit der Verantwortung dafür zu leben oder sie von sich zu weisen. Er weist uns auf die gegenseitige Abhängigkeit zwischen dem Volk und den Revolutionsführern hin und verdeutlicht uns, wie das Streben nach einem edlen Ziel in Unmenschlichkeit und Blutvergießen endet. Wortgewaltig, geistreich, obszön und poetisch führt er uns Menschen, die sich in Todesangst, Einsamkeit und Verzweiflung befinden, vor, aber auch solche Menschen, die sich von der Liebe leiten lassen.

Büchner setzt bei seinem Publikum ein großes historisches Hintergrundwissen voraus. Viele Zusammenhänge und Anspielungen erschließen sich dem heutigen Leser / Zuschauer nicht mehr unmittelbar, daher sollte man nach einer sorgfältig kommentierten Ausgabe greifen, um dieses komplexe, sprachlich gewaltige Meisterwerk des Vormärz für sich zu entdecken.