Familie und Liebe

Familie als Ort der Unschuld

Ein weiteres wichtiges Motiv bildet in „Wilhelm Tell“ der Themenkomplex Liebe und Familie. Vor allem der Protagonist selbst weist der Familie einen besonderen Stellenwert zu. Vor diesem Hintergrund wird das private Glück in der Familie als ein Ort der Geborgenheit und Unschuld und damit als ein positiver Gegenentwurf zum politischen Handeln charakterisiert, das den Menschen zwangsläufig schuldig werden lässt.

Es ist letztlich auch nicht verwunderlich, dass der Familienmensch Tell gerade dann politisch aktiv wird, als der Landvogt ihn dazu zwingt, das Leben seines Sohnes durch den Apfelschuss zu gefährden. Das oberste Ziel von Tells Handeln ist demnach auf den Schutz und die Verteidigung seiner Familie ausgerichtet. Demnach entgegnet Tell dem Vorwurf Hedwigs, bei der gefährlichen Rettung von Baumgarten „gar nicht / An Kind und Weib“ (V. 1527f.) gedacht zu haben, dass er gerade hierbei ausschließlich das Wohl der Familie im Blick gehabt habe: „Lieb Weib, ich dacht an euch, / Drum rettet ich den Vater seinen Kindern“ (V. 1528f.).

Selbst den Tyrannenmord begründet Tell in seinem Monolog mit der notwendig gewordenen Verteidigung seiner Familie: Da Tell nach seiner Verhaftung und der anschließenden Flucht die „Rache“ des Reichvogts zu fürchten hat, sieht er die Tötung Gesslers als den einzigen Ausweg, um sich und seine Familie zu schützen: „Die armen Kindlein, die unschuldigen, / Das treue Weib muss ich vor de...

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