Wilhelm Tells innerer Monolog

Funktion des inneren Monologs

Ein wichtiges Stilmittel, das sowohl die Motive für Tells Handeln als auch seine Wandlung auf symbolische Weise sichtbar macht, ist der innere Monolog. Im Unterschied zum Botenbericht, der meist an eine oder mehrere Personen gerichtet ist, handelt es sich beim inneren Monolog um das Selbstgespräch einer Bühnenfigur, das sich ausschließlich mit ihrer Situation und ihren Konflikten auseinandersetzt: Ein innerer Monolog ist eine Szene oder ein Szenenabschnitt, in dem eine Figur ihre eigenen Gedanken und Gefühle offenlegt.

Unter dramentheoretischen Gesichtspunkten erfüllt der innere Monolog damit vor allem zwei Aufgaben: Indem die Figur ihre eigene Lage reflektiert, gewinnt sie zum einen eine gewisse Distanz zu ihrem inneren Erleben. Zum anderen dient das Selbstgespräch dazu, eine Figur dem Publikum besonders nahezubringen, da hierdurch vertiefte Einblicke in deren Innenleben ermöglicht werden.

Im „Wilhelm Tell“ ist es der Protagonist selbst, der in seinem langen inneren Monolog (vgl. V. 2561–2651) dem Publikum kurz vor der alles entscheidenden Tat seine Gedanken und Gefühle offenbart. Indem auf diese Weise die konkrete Ausführung jener Tat und damit die Fortführung des äußeren Handlungsgangs hinausgezögert werden, erfüllt der innere Monolog in dramaturgischer Hinsicht eine retardierende Funktion.

Auf der inhaltlichen Ebene dient die Gedankenrede oftmals dazu, der Figur die Möglichkeit zu eröffnen, verschiedene Handlungsoptionen abzuwägen, um sich letztlich zu einer Entscheidung durchzuringen (vgl. zum Beispiel Hamlets berühmter Monolog „Sein oder Nichtsein“). In „Wilhelm Tell“ erfüllt Tells Selbstgespräch dagegen die Aufgabe, die Motive seines Handelns zu offenbaren und sein Vorhaben vor sich selbst zu rechtfertigen. Demnach beginnt der Monolog auch direkt mit der Ankündigung ...

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