Figurensprache

Tell: Redewendungen und innerer Monolog

Neben dem bereits erwähnten Enjambement verwendet Schiller noch weitere Mittel, um bestimmte Gefühle oder Stimmungen auf je unterschiedliche Weise darzustellen. Besonders auffallend ist dabei, dass zwar alle Figuren eine stilisierte Kunstsprache benutzen, sich aber dennoch charakteristische Spracheigentümlichkeiten feststellen lassen.

Demnach spricht Wilhelm Tell zu Beginn nur in kurzen, einfachen Sätzen, die in ihrer sentenzenhaften Art meist die Form von allgemeingültigen Sinnsprüchen annehmen (vgl. zum Beispiel V. 418, 433, 437, 1481, 1514). Mit seiner inneren Wandlung ändert sich allerdings auch Tells Sprachverhalten, zumal er nun in einem langen Monolog, der Stilmittel, wie Metapher (vgl. V. 2573f.) und Alliteration, (vgl. V. 2630) enthält, Rechenschaft über seine Handlungsweise ablegt.

Auch im abschließenden Gespräch mit Parricida (vgl. V. 3148) führt er nicht länger volkstümliche Lebensweisheiten ins Feld, sondern bemüht sich um eine ernsthafte Auseinandersetzung, indem er die Unterschiede und individuellen Motive ihrer jeweiligen Handlungen erläutert: „Unglücklicher! / Darfst du der Ehrsucht blutʼge Schuld vermengen / Mit der Notwehr eines Vaters? / […] Gerächt / Hab ich die heilige Natur, die du / Geschändet – Nichts teil ich mit dir – Gemordet / Hast du, ich hab mein teuerstes verteidigt“ (V. 3175ff.).

Stauffachers geschliffene Rhetorik und Melchthals emotionale Sprache

Der anfänglichen Wortkargheit Tells steht die Redegewandtheit seines Freundes, des vermögenden Bauern Stauffacher, gegenüber, die sich insbesondere in der Rütli-Szene zeigt: Mithilfe einer geschliffenen Rhetorik gelingt es ihm, die Anwesenden von seinen Argumenten zu überzeugen und emotional anzusprechen (vgl. V. 1166ff.).

Während Stauffacher und vor allem auch Walther Fürst häufig zu Warnungen und Ermahnungen greifen (z. B. „Sprecht nicht von Rache“ (V. 992), „Haltet an Euch, Ich fleh Euch drum, bleibt ruhig“ (V. 1921)), offenbart sich in Melchthals Sprachverhalten sein jugendlicher Überschwang: Seine Rede ist von Interjektionen (vgl. ...

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