Vater-Sohn Konflikt

Der eifersüchtige und misstrauische Vater

Zentral für die Dramaturgie von Schillers „Don Karlos“ ist der Konflikt zwischen Spaniens König Philipp und seinem Sohn, dem Infanten Don Karlos. Schon im ersten Auftritt des ersten Aktes stellt Karlos gegenüber dem königlichen Beichtvater Pater Domingo fest: „Mein Vater hat mich kaum geliebt“ (S. 6). Der junge Kronprinz weiß, dass der Mönch ein enger Vertrauter seines Vaters ist, der ihn überwachen und dafür später zum Kardinal ernannt werden soll (S. 7).

Karlos erkennt schon am Anfang des Dramas das Misstrauen des mächtigen Monarchen: „…ich weiß, dass hundert Augen gedrungen sind, mich zu bewachen, weiß, dass König Philipp seinen einz´gen Sohn an seiner Knechte schlechtesten verkaufte, und jede von mir aufgefangne Sylbe dem Hinterbringer fürstlicher bezahlt, als er noch keine gute Tat bezahlte“ (S. 8). Er muss zudem seinem Vater bedingungslos gehorchen und folgt direkt der Aufforderung Domingos, am selben Tag noch zusammen mit dem Hofstaat nach Madrid zu reisen und sich am Abend seinem Vater zu zeigen (S. 9).

Im fünften Auftritt des ersten Aktes offenbart Karlos Elisabeth, der Frau Philipps, seiner Stiefmutter und ehemaligen Verlobten seine Liebe. Er glaubt, dass sie an der Seite von Philipp niemals glücklich werden kann, worauf die Königin aber gar nicht eingeht (S. 29-30) und ihm ihrerseits die Frage stellt, woher er diese Annahme hat. Sie lenkt bewusst das Gespräch in eine andere Richtung und ermutigt Karlos dazu, wie auch schon sein Freund Posa kurze Zeit früher es gemacht hat, sich seinen Aufgaben als Thronfolger zu widmen. 

Sowohl Karlos als auch Elisabeth fürchten Philipps Argwohn und Eifersucht: Als der König erscheint, müssen sie ihr Gespräch plötzlich unterbrechen. Karlos flüchtet, er darf nicht unter vier Augen mit der Königin sprechen. Der misstrauische König ist nachfolgend sehr missmutig darüber, dass er seine Frau alleine im Garten antrifft, und bestraft eine ihrer Hofdamen dafür mit einer zehnjährigen Verbannung.

Ebenso ärgert der mächtige Monarch sich darüber, dass sein gesamter Hofstaat anwesend ist mit Ausnahme seines Sohnes: „Wo ist Don Karlos, mein Infant? Der Knabe Don Karl fängt an mir fürchterlich zu werden. Er meidet meine Gegenwart, seitdem er von Alkalas hoher Schule kam“ (S. 36). Misstrauisch weist er die Anwesenden an, ihm gegenüber „wachsam“ (S. 36) zu sein.

Karlos´ Kampf um die Gunst des Königs

Karlos entscheidet sich nach den Gesprächen mit Posa und Elisabeth im ersten Akt, politische Verantwortung zu übernehmen und seinen Vater um das Amt des Statthalters in den Spanischen Niederlanden zu bitten. Am Anfang des zweitens Akts muss er aber erst ausdrücklich um eine private Audienz bei seinem Vater bitten (S. 42-43), um diesen Wunsch v...

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