König Philipp

Der gefühlskalte König

Die Figur von König Philipp in Schillers Drama Don Karlos entspricht in bestimmten Hinsichten der historischen Person Philipp II., der von 1527 bis 1598 lebte und von 1555/1556 bis zu seinem Tod König von Spanien war (siehe Epoche „Historischer Hintergrund“). In Schillers Bühnenstück ist er ebenfalls der regierende König von Spanien, wird aber bereits sechzig Jahre alt (S. 80). Da die Handlung 1568 spielt, sollte er nur 41 Jahre alt sein. Der Dichter änderte diesen historischen Fakt zugunsten seiner Dramaturgie.

Der ältere König Philipp hat im Drama blaue Augen (S. 145) und graue Haare (S. 104). Er war früher zwei Mal verheiratet und aus der ersten Ehe ging sein Sohn Karlos hervor, der nun 23 Jahre alt ist.  Nach dem Tod seiner ersten beiden Ehefrauen hat Philipp sich 1560 mit seiner dritten Ehefrau, der jungen französischen Prinzessin Elisabeth von Valois, verheiratet. Zusammen mit ihr hat er im Drama eine Tochter, das Kind Klara Eugenia, gezeugt (siehe Epoche „Historischer Hintergrund“).

Philipp lernt seinen Sohn Karlos zum ersten Mal kennen, als dieser sechs Jahre alt ist. An diesem Morgen hat der König „stehenden Fußes vier Bluturteile“ (S. 15) unterschrieben. Damit macht er seinem kleinen Sohn große Angst. In der weiteren Zeit sieht der junge Prinz seinen Vater nur noch dann, „wenn mir für ein Vergehen Bestrafung angekündigt ward“ (S. 15). Der Monarch zeigt nur geringe Liebe für Karlos. Er ist missmutig darüber, dass es sein einziger Sohn ist (S. 6). So gibt er sich ihm gegenüber stets gefühlskalt und hart, was Karlos schwer verunsichert und ihn zu einem wankelmütigen jungen Mann macht.

Misstrauen und Eifersucht

Don Karlos und sein Vater vereint die Leidenschaft zur dritten Frau des Königs, zur jungen französischen Prinzessin Elisabeth von Valois. Karlos ist in seine jetzige Stiefmutter verliebt. Die beiden wurden einige Jahre zuvor einander versprochen und waren verlobt. Daher haben sie sich als junge Menschen lange geliebt, bevor der ältere König Philipp die junge französische Prinzessin zu seiner Frau erwählte (S. 76).

An diesem Vorgehen zeigt sich, dass der König keinerlei Rücksicht auf die Gefühle seines Sohnes nimmt und seine eigenen Interessen stets vor die aller anderen stellt. Da er aber weiß, welche Verbindung zwischen den beiden Menschen vor seiner Hochzeit bestand, ist er seinem Sohn und seiner Frau gegenüber stets misstrauisch und eifersüchtig. Karlos weiß, dass der König dann „rasen“ (S. 9) wird, wenn dieser von seiner Liebe zu Elisabeth erfährt. Elisabeth weiß, Phillips „Argwohn […] fürchterlich“ ist (S. 33).

Philipp lässt seinen Sohn überwachen, zum Beispiel durch den Beichtvater Domingo oder andere Pers...

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