Don Karlos

Die historische Figur Don Karlos

Im Schillers Drama ist Karlos der Enkel von Kaiser Karl V. (S. 10) und der dreiundzwanzigjährige (S. 39) Sohn des spanischen Königs Philipp II. Die historische Figur des Don Karlos lebte von 1545 bis 1568. Er war der älteste Sohn des Königs Phillips II. von Spanien und dessen erster Gemahlin, Prinzessin Maria von Portugal. Seine Mutter starb nach Komplikationen kurz nach seiner Geburt. Er wurde 1560 als Thronfolger durch den spanischen Adel anerkannt (siehe Epoche „Historischer Hintergrund“).

Laut einer Quelle Schillers hatte der Kronprinz mindestens Anspruch auf die Herrschaft über sechs Königreiche, an die Pater Domingo ihn im Drama erinnert: Spanien, Mallorca, Menorca, Sardinien, Neapel und Sizilien (S. 5), zu denen noch Jerusalem und Westindien hinzugezählt werden können. Hinzu kommen außerdem die niederländischen Provinzen, die eine wichtige Rolle in dem Drama spielen und die sich erst nach dem 80-jährigen Krieg von Spanien abspalten konnten (siehe Epoche „Historischer Hintergrund“).

Schiller hat die Figur von Don Karlos im Vergleich zu der historischen Person sehr frei konzipiert, und zwar nicht nur in Bezug auf sein Alter, sondern auch auf seine psychischen Eigenschaften und sein Vermögen. Das Familiendrama (siehe Analyse „Motive“) hat der Dichter teilweise erfunden und weitgehend dramatisiert.

Der gefürchtete Vater

Karlos lernt seinen Vater zum ersten Mal kennen, als dieser sechs Jahre alt ist. An diesem Morgen hat der König „stehenden Fußes vier Bluturteile“ (S. 15) unterschrieben und für Karlos ist er nur „der Fürchterliche“ (S. 15), von dem ihm gesagt wird, dass es sein Vater sei. In der weiteren Zeit sieht der junge Prinz seinen Vater nur noch dann, „wenn mir für ein Vergehen Bestrafung angekündigt ward“ (S. 15).

Diese „knechtische Erziehung [zertrat] schon in meinem jungen Herzen der Liebe zarten Keim“ (S. 15), konstatiert Karlos enttäuscht seinem Freund Posa gegenüber. Er hasst seinen Vater nicht, aber fürchtet ihn so sehr, dass dies ein großes Defizit in ihm auslöst (S. 14). Daher fragt er sich, warum ihm das Schicksal diesen Vater und seinem Vater ihn als „diesen Sohn von tausend bessern Söhnen“ (S. 15) zugeteilt hat, denn die Natur hätte keine „zwei unverträglichere Gegenteile“ (S. 15) zusammenbringen können.

Der

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