Szeneanalyse 1. Akt 5. Auftritt

Hier kannst Du eine Analyse von einem langen und entscheidenden Aufzug des 5. Auftritts finden, wo Karlos seine Stiefmutter und ehemalige Verlobte, die Königin Elisabeth, heimlich trifft. 

Am Anfang des Textauszugs gesteht Karlos Elisabeth, dass er sehr unglücklich darüber ist, dass sein Vater ihm sie weggenommen hat. Die Königin lässt sich aber von ihm nicht aus der Ruhe bringen und erklärt ihm, dass sie den König pflichtvoll respektiert, aber nicht liebt. Sie ermutigt ihn, ein guter Herrscher für das spanische Volk zu werden.

Nach dem Ende des Textauszugs, erscheint der Marquis von Posa und teilt mit, dass der mächtige und gefürchtete König Philipp kommt. Posa und Karlos fliehen daraufhin schnell, bevor der König erscheint. 

Karlos Vorwürfe

Zu Beginn des Auftritts macht Karlos seinem Vater gegenüber der Königin Elisabeth heftige Vorwürfe, während sie sich vornehm zurückhält. Dabei beruft er sich darauf, dass nicht nur zwei große Königreiche sich über diese Hochzeit einig waren, sondern dass Elisabeth ihm auch „zuerkannt von Himmel und Natur“ (Z. 3) war. Er nutzt allein in seiner ersten Äußerung einmal das Pronomen „mein“ und drei Mal den Dativ des Reflexivpronomens der 1. Person Singular („mir“), um seinen Besitzanspruch zu unterstreichen. Die Königin geht aber nicht darauf ein, sondern erinnert ihn daran, dass er gegen seinen Vater zürnt und er sich vielmehr seiner gesellschaftlichen Position erinnern muss, da ihm sein Vater „Das größte Reich der Welt zum Erbe gibt“ (Z. 8). Weil er sich aber kaum beruhigen kann und will, so erschreckt sie sich vor ihm: „Großer Gott! Sie rasen -“ (Z. 11).

Karlos unterstellt seinem Vater, dass er weder den Wert von Elisabeth erkennt (Z. 11: „Und weiß er auch wie reich er ist?“), noch dass er würdig und fähig ist, sie zu lieben (Z. 11-12: „Hat er Ein fühlend Herz, das Ihrige zu schätzen?“). Auch wirft er seinem Vater vor, dass er niemals mit ihr glücklich werden wird, was ihn „Höllenqual“ (Z. 16) durchleiden lässt. Wenn er wüsste, dass die beiden glücklich seien, so will er „nicht klagen, nein, ich will vergessen“ (Z. 13), doch glaubt er nicht, dass dies möglich ist, wenn nicht er der Mann Elisabeths sein darf.

Auch in dieser Äußerung nutzt er drei Mal das Pronomen „ich“ und jeweils einmal das Pronomen „mir“ und „meinen“, um seinen Anspruch auf diese Verbindung und damit auch auf Elisabeth deutlich zu machen. Als er am Ende dieser Aussage Elisabeth auch noch vorwirft, dies nur getan zu haben, um ihn zu quälen (Z. 18-19: „Du nahmst mir meinen Himmel nur, um ihn In König Philipps Armen zu vertilgen.“), wehrt sie sich und kritisiert diese Aussage als: „Abscheulicher Gedanke!“ (Z. 20).

Karlos glaubt, dass er mit diesen Aussagen Recht hat, da er seinen Vater gut kennt und weiß, „Wie Philipp lieben kann und wie er freite“ (Z. 23). Weiterhin provoziert er Elisabeth und fragt sie herausfordernd, ob sie denn weiß, welche Rolle sie in diesem Reich einnehmen darf. Weder kann sie dabei helfen, die spanische Herrschaft in Flandern zu beenden, noch darf sie darauf hoffen, je das Herz von Philipp zu besitzen, da er zu sehr damit beschäftigt ist, zu regieren. Ebenso trennt beide ein großer Altersunterschied: „Eine Frau besitzt Des Mannes Herz – und wem gehört das seine? Und bittet er nicht jede Zärtlichkeit, Die ihm vielleicht in Fieberglut entwischte, Dem Zepter a...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen