Merkmale der Novelle im Werk

Die glaubwürdige unerhörte Begebenheit

Schillers Erzählung »Der Verbrecher aus verlorener Ehre« weist einige novellistische Kennzeichen auf. Ob das Werk in seiner Gesamtheit der Gattung Novelle zugeordnet werden kann, ist jedoch umstritten. Allem voran hat die Thematik des Textes einen novellenhaften Charakter. Es handelt sich um eine außergewöhnliche Begebenheit, welche nahezu »unerhört«, also skandalträchtig, ist.

Die historische Vorlage bildet die reale Geschichte des Räuberhauptmanns Friedrich Schwan, der im 18. Jahrhundert mit seiner Bande ganze Gegenden von Württemberg in Angst und Schrecken versetzte. Schwan wird 1929, als Schiller erst ein Jahr alt ist, in dem württembergischen Dorf Ebersbach geboren. Seine Eltern sind angesehene Bürger und Besitzer der Gaststätte „Sonne“. Aus diesem Grund wird er später der "Sonnenwirt" genannt. 

Nach dem frühen Tod seiner Mutter begeht der robuste junge Teenager Einbrüche und stiehlt Geld aus der Geldkassette seines Vaters. Dafür verbringt er, erst siebzehn Jahre alt, ein halbes Jahr im Zuchthaus. Nach seiner Entlassung arbeitet er zwei Jahre lang in der Metzgerei seines Vaters, bevor er wieder nach einer Prügelei zu einer sechsmonatigen Haft im Zuchthaus verurteilt wird.

Wieder freigelassen, beginnt er ein Liebesverhältnis mit der Tochter eines verarmten Bauern, die schwanger wird. Die beiden Väter verweigern ihnen aber die Eheerlaubnis. Nach der Geburt des Kindes zwingen ihn Geldnöte dazu, zum Wilddieb zu werden, um die Familie ernähren zu können. 

Der Konflikt mit seinem Vater verursacht eine körperliche Auseinandersetzung, wobei Schwann einen Wirtshausgast mit einem Messer verletzt. Dafür wird er zu eineinhalb Jahre Zuchthaus verurteilt. Es gelingt ihm doch, dem Gefängnis zu entkommen. Nach seiner Flucht nach Frankfurt kehrt er später als Wilderer zurück in die Heimat.

Er wird Mitglied einer Räuberbande und begeht jahrelang Diebstähle, Einbrüche, und Gewaltverbrechen. Er lernt 1957 die Diebin Christina Schettinger, die als „Die Schwarze Christine“ berüchtigt ist, kennenzulernen. Sie heiraten und erhalten Kinder zusammen. Schließlich werden Schwann und Christine gefangen genommen und zum Tod verurteilt. Der meistgesuchte Verbrecher seiner Zeit muss seine Untaten mit einem grausamen Tod auf dem Rad büßen. Vor seiner Hinrichtung am 30. Juli 1760 legt der 31-jährige Räuber umfassende Geständnisse über seine unzähligen Gräueltaten ab.

Der Bruch mit den gesellschaftlichen Regeln ist typisch für die Novelle und tritt hier in Form der kriminellen Außenseiterposition des Protagonisten auf. Wie für diese Gattung kennzeichnend, bleibt die Handlung dabei stets glaubhaft. In seiner Erzählung kommt Schiller zugute, dass er sich frei an einer wahren Begebenheit orientiert, obwohl Schwanns Lebensgeschichte sehr unterschiedlich von Schillers Figur Christian Wolf ist.

Andere Merkmale der Novelle

Die Novelle ist ...

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