Merkmale der Kriminalgeschichte im Werk

Schiller vereint in seinem Werk unterschiedliche literarische Genres. Ob »Der Verbrecher aus verlorener Ehre« zur klassischen Kriminalliteratur gehört, ist demnach umstritten. Dennoch lassen sich einige typische Merkmale der Kriminalgeschichte erkennen.  

Aufbau und Erzählweise

Allem voran steht die Schilderung eines Verbrechens, auch wenn das Vergehen an sich für Schiller nicht vordergründig war. Genau genommen, handelt es sich um mehrere Delikte ein und derselben Person, welche in einer spezifischen Handlungsstruktur angeordnet sind. Die Ausgangspunkte bilden dabei zunächst der Täter und sein Tatmotiv. In Schillers Erzählung verändern sich beide im Laufe der Geschichte.

Der Protagonist Christian Wolf wird dem Leser zunächst vorgestellt und grob charakterisiert: Er ist von hässlicher Gestalt, mittellos und sozial isoliert. Zudem ist er trotzig, bequem und gutgläubig. Schiller dehnt das Lebensbild des Protagonisten auf wichtige Stationen aus und verwendet damit ein typisches Merkmal der späteren Kriminalliteratur. Die einleitende Charakterisierung deutet bereits mehrere Tatmotive an, die im Laufe der Handlung durch weitere ergänzt werden. So wird das Motiv der sozialen Ächtung durch die steigende Anzahl an kriminellen Taten verstärkt. Zu den anfänglichen Motiven Naivität, Armut und Geltungssucht gesellen sich später Rache und Hass hinzu.

Mit der Motivwandlung gehen sowohl die charakterliche Veränderung des Täters als auch die zunehmende Schwere der Verbrechen einher. Mit jeder Steigerung orientiert sich Schiller am typisch vierstufigen Modell von Täter, Motiv, Tat und Aufklärung. Letztere besteht in der Festnahme und Bestrafung Christian Wolfs. Anfänglich durch seinen Rivalen Robert überführt und zu einer Geldbuße verurteilt, landet Wolf anschließend im Gefängnis und wird schlussendlich mit dem Tode bestraft. Die Aufklärung des Mordes sowie seiner Verbrechen als Räuberhauptmann übernimmt der Protagonist selbst, indem er sich freiwillig der Justiz stellt.

In den spannenden Momenten wählt Schiller eine detaillierte und bildstarke Erzählweise, welche zusätzlich durch die Innensicht des Täters verstärkt wird. Beispielhaft hierfür ist die Mordtat des Protagonisten, die der Autor als Höhepunkt der Geschichte inszeniert. Wolf ist minutenlang zwischen Rachelust und Gewissen hin- und hergerissen, bevor er schließlich seinen Rivalen erschießt. Mit seiner dichten Erzähltechnik liefert Schiller...

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