Entstehung

Verbrecher aus Infamie und Verbrecher aus verlorener Ehre

Schillers Kriminalbericht »Der Verbrecher aus verlorener Ehre« wurde erstmals im Jahre 1786 anonym unter dem Titel »Verbrecher aus Infamie, eine wahre Geschichte« veröffentlicht. Der Text erschien in der vom Dramatiker selbst etablierten Theaterzeitschrift »Rheinische Thalia«. Schiller hatte das Blatt deshalb gegründet, um seine finanzielle Situation aufzubessern. Die »Thalia« sollte literarisch und wissenschaftlich anspruchsvolle Beiträge liefern und war als Begleitschrift für das Mannheimer Theater gedacht.

Der Dramatiker hatte bereits zuvor schon Prosatexte für andere Zeitschriften verfasst. Sie sollten vornehmlich der Unterhaltung dienen und Geld in Schillers leere Kassen spülen. Der »Verbrecher aus Infamie« verfolgte hingegen die Intention, ein belehrendes Werk im Sinne der Aufklärung zu werden.

Die thematische Anknüpfung der Geschichte bestand zu dem erfolgreichen Drama »Die Räuber«, welches kurz zuvor für großes Aufsehen gesorgt hatte. Auch in diesem beschäftigt sich Schiller mit der psychologischen Aufarbeitung einer Verbrecherbiografie und äußert Kritik am Feudalsystem. Die Tatsache, dass ihm der Herzog kurz nach der Uraufführung ein Schreibverbot erteilte, dürfte Schillers kritische Haltung gegenüber despotischer Willkür nur noch gestärkt haben. Folglich findet sich diese auch im »Verbrecher aus verlorener Ehre« wieder.

1792 veröffentlichte Friedrich Schiller eine abgeänderte Fassung des »Verbrechers aus Infamie« unter dem heute bekannten Titel »Der Verbrecher aus verlorener Ehre«. Sie erschien in seinen »Kleineren prosaischen Schriften«. Neben dem Titel änderte der Autor auch einige wenige Textstellen und kürzte die Einleitung. Schiller modernisierte die Sprache und richtete den Fokus mehr auf die psychologischen Aspekte der Erzählung. Erst sieben Jahre später, im November 1985, legte Schiller das Manuskript zu seiner Kriminalgeschichte dem Leipziger Verleger Göschen vor.

Abel und Schwann

Der Verbrecher aus verlorener Ehre wurde mutmaßlich in engem Zusammenhang mit Schillers naturwissenschaftlichen Studien an der Karlsschule verfasst. Seine medizinischen Inte...

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