Der Erzähler

Der allwissende Geschichtsschreiber

Der Erzähler schildert die Geschichte des Wilddiebs und Räuberhauptmanns Christian Wolf. Die Erzählung beruht auf einer historischen Begebenheit, weshalb sich der Erzähler selbst als „Geschichtsschreiber“ im Sinne von Historienschreiber bezeichnet (S. 10/11). Seine wissenschaftliche und faktenorientierte Methodik grenzt sich von der des Schriftstellers oder Dichters ab (ebd.). Ein wichtiger Unterschied besteht darin, dass der Geschichtsschreiber weder die Laster seines Protagonisten verurteilt, noch die Moral der Geschichte vorwegnimmt (ebd.). Sein Ziel ist es, den Leser zu veranlassen, eigenständig die individuelle Situation des Verbrechers zu beurteilen.

Der Erzähler reflektiert seine eigene Arbeit als Historienschreiber, indem er nach Möglichkeiten sucht, die Distanz zwischen dem Leser und dem Protagonisten zu verringern. Er möchte erreichen, dass Christian Wolfs Schicksal die Leser bewegt, jedoch ohne das Mittel der Täuschung oder Übertreibung anzuwenden. Der Erzähler kommt zu dem Schluss, dass „der Held wie der Leser erkalten“ (S. 10) müsse. Aus diesem Grund habe er sich für eine realistische Darstellung der Geschehnisse entschieden (S. 10/11).

Der heterodiegetische[1] Erzähler ist auktorial, also allwissend. Er steht außerhalb des Geschehens, spielt aber eine aktive Rolle als vermittelnde Instanz. Da­durch wird er für den Leser spürbar. Er verfügt über ein lückenloses Wissen hinsichtlich der Ereignisse und ist dazu in der Lage, umfassende Aussagen des Protagonisten zu zitieren (S. 15 ff, S. 30/31). Darüber hinaus kennt er den Ausgang der Geschichte, den er bereits zu Beginn seiner Ausführungen verrät: „[…] er starb durch des Henkers Hand“ (S. 12).

Einsicht und Rücksichtnahme

Außerdem verfügt der Erzähler über juristische sowie medizinische, psychologische und andere naturwissenschaftliche Kenntnisse. Bevor er mit der eigentlichen Geschichte beginnt, vermittelt er eine Art sozialpsychologische Einführung. In deren Rahmen fragt er nach den menschlichen und gesellschaftlichen Ursachen, die zu einem Verbrechen führen können. Demnach trägt nach seiner...

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