Titel

Infamie und Ehre

Friedrich Schillers Erzählung wurde ursprünglich unter dem Titel »Verbrecher aus Infamie« veröffentlicht. Erst acht Jahre später entstand eine abgeänderte Fassung unter der heute bekannten Bezeichnung Der Verbrecher aus verlorener Ehre.

Beide Titel weisen auf den kriminellen Hintergrund der Handlung hin und sind damit zunächst einmal aufsehenerregend. Mit den Begriffen »Infamie« und »Ehre« werden zudem wesentliche Merkmale der Aufklärung benannt. Hierbei handelt es sich um Schlüsselwörter, welchen in Bezug auf die gesamte Handlung eine besondere Bedeutung zukommt. Die beiden Ausdrücke können als Gegensatzpaar aufgefasst werden.

- »Infamie« bedeutet übersetzt »Schande« und beschreibt eine Form des Ehrverlustes. Juristisch gesehen, versteht man unter »Infamie« die eingeschränkte Rechtsfähigkeit eines Menschen: Bestimmte bürgerliche Rechte sind ihm aberkannt worden.

Zu Schillers Zeiten unterscheidet man zwischen der infamia facti (sozialer Ehrverlust) und der infamia juris (juristischer Ehrverlust). Beide hängen miteinander zusammen. Strafrechtlich begründete Infamie bedeutete damals zugleich eine unmögliche Resozialisierung des Betroffenen. Diesen Umstand kreiden Schiller und weitere Vertreter der Aufklärung an.

Ein möglicher Grund für Infamie ist ein ehrloses Verhalten, welches ggf. vorsätzlich praktiziert wird. Der Begriff kann demnach auch mit Heimtücke, also einer bösen Absicht, gleichgesetzt werden. Ob ein Verbrecher aus freiem Willen heraus sündigt oder durch die Umstände dazu genötigt wird, ist eine der zentralen Fragen in Schillers Erzählung. Die Basis der Definition von »Infamie« bildet ein allgemeingültiges Verständnis von »Ehre«, welches sich innerhalb einer Gesellschaft herausbildet.

- »Ehre« beschreibt das Recht des Menschen auf soziale Achtung und Anerkennung. Es geht demnach um das Ansehen innerhalb einer sozialen Gruppe. Schil...

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