Friedrich Schiller

Diese ausführliche Biographie über Friedrich Schiller gibt dir detaillierte Informationen über das Leben des Dramatikers, seine wichtigsten Einflüsse und seinen intellektuellen Werdegang sowie die Epoche, in der er lebte.

Die Jugend

Am 10. November 1759 wird Johann Christoph Friedrich Schiller in Marbach im damaligen Herzogtum Württemberg als Sohn des Leutnants Johann Caspar Schiller (1723-1802) und seiner Frau Elisabeth Dorothea Schiller (1732-1802), geb. Kodweiß, geboren. Friedrich ist das zweite Kind der Familie. 1764 übersiedelt die Familie nach Lorch, wo Friedrich die Dorfschule besucht und Lateinunterricht bei dem guten und geduldigen Pfarrer Moser bekommt. Er hat den Wunsch, Geistlicher zu werden wie der Pfarrer Moser, der für ihn ein Vorbild ist. Sein Vater wird zwei Jahre später in die Garnison nach Ludwigsburg rückversetzt. Sein Vater will ihm die optimale Ausbildung ermöglichen, sodass Schiller 1766 in die dortige Lateinschule kommt.

Friedrichs Pläne von einem Theologiestudium gehen nicht in Erfüllung. Auf Befehl des württembergischen Herzogs Carl Eugen und gegen den Willen seiner Eltern muss der begabte Schiller als Dreizehnjähriger 1773 in die militärische „Pflanzschule“ auf Schloss Solitude bei Gerlingen eintreten, um dort Rechtswissenschaft zu studieren. Die Karlsschule dient dem Heranziehen und der Bildung einer treuen Landeselite, die dem Herzog persönlich verpflichtet ist.

Schiller leidet unter dem ungewohnten strengen, militärischen Erziehungsstil, den diese Schule pflegt, aber er wird trotzdem ein fleißiger Student. Doch er rebelliert auch gegen den Uniformzwang und die Disziplin. Bemerkenswerterweise spielen in der Akademie die Standesunterschiede keine Rolle. Schiller kann dort den Fürsten jeden Tag zu Gesicht bekommen.

Das Studium

1775 wird die Akademie von Schloss Solitude nach Stuttgart verlegt. Schiller wechselt dann von den Rechtswissenschaften zum Studium der Medizin. Er interessiert sich für Medizin, weil die psychologischen und naturwissenschaftlichen Kenntnisse, die er während dieses Studiums erwirbt, ihm auch in seiner dichterischen Arbeit nutzen können.

Außerdem ist zu dieser Zeit die Medizin mit der Philosophie verbunden. Schiller beschäftigt sich in den nächsten fünf Jahren mit dem Verhältnis von Geist und Körper und mit der Frage, inwieweit der Mensch beim Denken frei ist. Das Lesen geistiger Literatur ist in der Militärakademie verboten, aber Schiller widersetzt sich heimlich dieser Anordnung und liest die Bücher von William Shakespeare und Jean Jacques Rousseau. Während dieser Zeit beschäftigt er sich auch mit den Werken von Klopstock, Johann Wolfgang von Goethe, Gerstenberg und Schubart, die seine literarischen Vorbilder im Bereich des „Sturm und Drangs“ werden.

Die Räuber

Schiller schreibt viel. 1775 verfasst er das Drama „Der Student von Nassau“. 1776 erscheint sein erstes gedrucktes Gedicht „Der Abend“. 1777 arbeitet er an dem Drama „Die Räuber“. Die ersten medizinischen Examen besteht er 1779 und bittet im Anschluss um Entlassung aus der Militärakademie. Er wird im Dezember 1780 als Militärarzt zum Grenadierregiment von Johann Abraham David von Augé in Stuttgart beordert. Seine Freiheit ist durch den Herzog immer noch wesentlich eingeschränkt. Er darf ohne seine Erlaubnis die Stadt nicht verlassen.

Wegen seiner Tätigkeit als Militärarzt veröffentlicht er 1781 anonym das Drama „Die Räuber“ im Selbstverlag und mit fingiertem Druckort. Es ist kein finanzieller Erfolg, und Schiller ist verschuldet. Auf Aufforderung des Intendanten des Nationaltheaters im Mannheim, von Dalberg, erarbeitet Schiller eine Bühnenfassung des Stücks.

Schiller verdeutlicht in „Die Räuber“ seine Abscheu gegenüber jeglicher Form der Tyrannei. Um das Stück weniger kontrovers wirken zu lassen und einen Disput mit der damaligen Herrschaft zu vermeiden, versetzt Schiller die Handlung in die Ritterepoche. Im Alter von 19 Jahren, am 13. Januar 1782, erlebt Schiller inkognito die Uraufführung seines Stückes im Mannheimer Hof- und Nationaltheater. Es ist ein überwältigender Erfolg. Mit einem Schlag wird er als Schriftsteller bekannt.

Mannheim, Leipzig und Dresden

Unerlaubt reist er im Mai 1782 wieder nach Mannheim, um eine Anstellung als Theaterdichter zu verhandeln. Bei seiner Rückkehr wird er verhaftet und zu 14 Tagen Haft verurteilt. Der Herzog verbietet ihm im August 1782 jede dichterische Betätigung. Schiller darf nur noch medizinische Texte veröffentlichen.

Am 22. September 1782 flieht er mit seinem Freund Streicher aus Württemberg, reist über Mannheim, Frankfurt und Oggersheim bei Worms nach Bauerbach in Thüringen. Dort lebt er ein Jahr lang bei Henriette von Wolzogen, der Mutter eines Akademiekameraden, unter dem Namen Doktor Ritter. Er verliebt sich unglücklich in deren Tochter Charlotte.

 In dieser Zeit hat Schiller Ruhe und Zeit, um sich seiner schriftstellerischen Tätigkeit zu widmen. Er ist sehr fleißig und beendet sein Drama „Kabale und Liebe“. In 1783 wird er für ein Jahr als Theaterdichter in Mannheim angestellt. Schiller verliebt sich erneut unglücklich, diesmal in Charlotte von Kalb. Intrigante Kollegen und Geldprobleme machen ihm das Leben schwer. Er hat Gesundheitssorgen und erkrankt 1784 an Malaria. Im gleichen Jahr werden „Die Verschwörung des Fiesko zu Genua“ und „Kabale und Liebe“ mit großem Erfolg uraufgeführt. 1785 gründet Schiller die Zeitschrift „Rheinische Thalia“, die sich leider  auch nicht zur Goldgrube entwickelt.

Durch die Einladung von wohlsituierten Anhängern aus Leipzig wird Schiller 1785 aus seiner Misere gerettet. Er zieht zunächst nach Leipzig und später nach Dresden, wo er ein paar Jahre als Gast bei Familie Körner verbringt. Hier findet er Freundschaft und finanzielle Sicherheit. Er verfasst das Drama „Don Carlos“, die Erzählung „Der Verbrecher aus verlorener Ehe“ und die berühmte „Ode an die Freude“, die später von Beethoven im vierten Satz der 9. Symphonie vertont wird.

Jena und Weimar

1787 verlässt Schiller seinen Freund und siedelt auf Einladung von Charlotte von Kalb nach Weimar, das sich zum gegenwärtigen Kulturzentrum entwickelt hat. Er lernt Wieland und Herder kennen und begegnet 1788 erstmals Goethe in Rudolfstadt. Goethe hat eine distanzierte Haltung zu ihm und findet ihn impulsiv und leidenschaftlich. Auf dessen Empfehlung erhält Schiller aber eine Geschichtsprofessur an der Universität in Jena. Dort schließt er Freundschaft mit Wilhelm von Humboldt.

Schiller übersiedelt nach Jena und verfasst die „Geschichte des Abfalls der Niederlande“. Er veröffentlicht im Jahr 1790 das Werk „Die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“, eine Vorbereitung zum Drama „Wallenstein“. Im gleichen Jahr heiratet er Charlotte von Lengefeld.

1791 erkrankt Schiller an einer schweren Lungen- und Bauchfellentzündung, wovon er nie mehr vollständig genesen wird. Er muss die Lehrtätigkeit aufgeben und seine Teilnahme am öffentlichen Leben begrenzen. Ein Stipendiat gibt ihm materielle Sicherheit. 1793 bekommen er und Charlotte einen Sohn. Er wechselt Briefe mit Goethe und hat eine intensive Auseinandersetzung mit Immanuel Kant. Er gründet die Zeitschrift „Die Horen“, an der sich auch Goethe beteiligt (1795-1797). Es entsteht eine wahre Freundschaft zwischen den beiden großen Dichtern, und ihre Zusammenarbeit bildet das Rückgrat der literarischen Strömung der Weimarer Klassik.

Schließlich verlässt Schiller 1799 Jena und zieht mit seiner Frau und mittlerweile drei Kindern, ein viertes wird noch 1804 geboren, nach Weimar, um den dichterischen Austausch mit Goethe zu vertiefen. Die Freundschaft zu Goethe beschäftigt und inspiriert Schiller in den kommenden Jahren. 1790 beendet er sein Monumentalwerk über Wallenstein. Es entstehen noch die Werke „Maria Stuart“ (1780), „Die Jungfrau von Orleans“ (1801) und „Die Braut von Messina“ (1803). Viele der Stücke werden am von Goethe geleiteten Weimarer Hoftheater uraufgeführt.

Im Jahre 1802, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, wird Schiller geadelt. Er ist berühmt und weit über die nationalen Grenzen hinaus bekannt. Nach der Fertigstellung von „Wilhelm Tell“ (1804) beginnt Schiller die Arbeiten zu „Demetrius“. Aber seine Gesundheit ist ruiniert. Er stirbt 1805 in Weimar, nur 45 Jahre alt, an einer neuerlichen Lungenentzündung. Sein Leichnam wird 1827 in die Fürstengruft zu Weimar überführt, wo später auch Goethe auf eigenen Wunsch bestattet wurde.

Friedrich Schillers bedeutendste und bekannteste Werke

Jahr

Titel

Vollendung / Uraufführung

1781

„Die Räuber“

Uraufführung 1782

1783

„Verschwörung des Fiesko zu Genua“

Uraufführung 1784

1783

„Kabale und Liebe“

Uraufführung 1784

1785

„An die Freude“

1786

„Verbrecher aus Infamie, eine wahre Geschichte“

Anonym

1783-1787

„Don Carlos“

Uraufführung 1787

1787-1789

„Der Geisterseher“

1795

„Über die ästhetische Erziehung des Menschen“

1797

„Xenien“

1799

„Wallenstein-Trilogie“

Vollendung

1800

„Maria Stuart“

Vollendung

1801

„Die Jungfrau von Orleans“

Uraufführung

1803

„Die Braut von Messina“

Uraufführung

1804

„Wilhelm Tell“

Uraufführung

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