Film: Analyse und Interpretation

Auch der Film zu "Der Richter und sein Henker" bietet einige interessante Punkte zur Analyse und Interpretation. In den folgenden Abschnitten haben wir den Fokus auf die wichtigsten Aspekte gelegt und erläutern, wie der Film mit surrealistischen Motiven, Realität und Fantasie, dem Leitmotiv des Schachspiels und Humor und Ernst spielt.

Fast surrealistisch

Maximilian Schell sagt 2011 in einem Interview: „Der ganze Film hat etwas Surreales.“ Dieses Merkmal habe auch „Dürrenmatt selbst“ in seinem Schaffen ausgezeichnet. Dementsprechend drückt sich der Film getreu der Romanvorlage an vielen Stellen durch Bilder aus, denen etwas Traumhaftes innewohnt und die sich daher nicht ohne Weiteres logisch entschlüsseln lassen. Als Beispiel seien die riesigen leeren Räume zu nennen, die immer wieder auftauchen: Das Auto des ermordeten Schmied steht auf weitem Feld; Annas Wohnung ist ebenso weitläufig und größtenteils leer stehend wie Gastmanns Anwesen, so als wären sie noch im Rohbau; der Geiger aus Gastmanns Abendgesellschaft spielt auch am nächsten Tag völlig alleine, ohne Publikum, im herbstlichen Garten; Bärlach und Gastmann führen ihr letztes Gespräch auf derselben unfertigen Brücke, von der sich später Tschanz mit seinem Auto in den Tod stürzt.

All diese Bilder zeugen von einer beklemmenden Sinnlosigkeit, als wären bereits die Schauplätze der Handlung in einem Entstehungsprozess begriffen, der niemals zu Ende geführt werden kann, ganz wie das perfide Spiel zwischen Bärlach und Gastmann. In diesen Räumen finden sich oftmals Figuren, die nur auf den ersten Blick wie Mitmenschen oder Passanten wirken. Bei genauerer Betrachtung könnten deren Erscheinung und Aufmachung geradewegs einem surrealistischen Gemälde Salvador Dalís oder René Magrittes entnommen worden sein. So wie sich beispielsweise zu Beginn eine neugierige Gruppe schwarzgekleideter Gestalten um das Auto des toten Schmied schart, so springen in der letzten Einstellung bunt gekleidete Kinder hinter einer Blaskapelle her. In diesem Kontrast kann die Symbolisierung des ständigen Kreislaufs von Leben und Tod gesehen werden, wie sie auf der Handlungsebene durch die Morde Gastmanns und Tschanz‘, aber auch durch Bärlachs tödliche Krankheit und Nadines Schwangerschaft thematisiert wird.

Realität und Fantasie

Für das Anwesen Gastmanns als eines vom Staat unberührten und daher rechtsfreien Raumes scheinen ohnehin besondere Regeln zu gelten: Schon als Tschanz am ersten Ermittlungsabend durch die Fenster hineinlugt, blickt er wie in eine andere Welt auf in Tabakrauch gehüllte Gestalten, deren Gesichter kaum zu erkennen sind. Zwar betont Bärlach ihm gegenüber sehr früh, dass es die Aufgabe der Ermittler sei, zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden, wenn sie überhaupt eine Chance haben wollten, die Wahrheit herauszufinden. Doch diesbezüglich scheint der Film geradezu dar...

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