Die Rolle des Schriftstellers

Im Hinblick auf Dürrenmatts autobiografischen Einfluss kommt dieser Figur des Schriftstellers, der regelmäßiger Gast von Gastmanns Gesellschaften ist und von Bärlach und Tschanz in der Mordsache Schmied vernommen wird, eine Sonderstellung zu. Obwohl der Schriftsteller als Figur derjenige ist, der es für möglich hält, zumindest bestimmte Personen zu spiegeln, „wie man eine geometrische Figur als Spiegelbild einer andern konstruiert“ (82), scheint ausgerechnet er als einzige wichtige Figur auf den ersten Blick kein eigenes Spiegelbild zu besitzen. Doch getreu den Strategien des Romans trügt der Schein auch hier.

Lange vor Bärlachs und Tschanz‘ Besuch bei ihm wird der Auftritt des Schriftstellers bereits angedeutet. Als die beiden Ermittler nämlich den Weg zu Gastmanns Anwesen suchen, erteilt ihnen am Straßenrand „ein Mann, der in einer Lederjacke steckte und seinem Hündchen pfiff“ (28), Auskunft. Dieser Mann kennt nicht nur den Weg zu Gastmann, sondern sowohl seine Kleidung als auch sein Hund, „weiß mit schwarzem Kopf“ (28), entsprechen den späteren Beschreibungen im Hause des Schriftstellers. Nach der Attacke von Gastmanns Wachhund erwähnt der Dorfpolizist Clenin Tschanz gegenüber den Schriftsteller als regelmäßigen Teilnehmer der Gesellschaften. Daraufhin verspricht Tschanz, sich diesen „vorzuknöpfen“ (40), und fügt hinzu: „Schriftsteller sind immer dubios“ (40).

Bereits diese Bezeichnung weist auf die geschickte Platzierung der Schriftstellerfigur hin, leitet sich das Adjektiv dubios doch von duo, dem lateinischen Wort für zwei ab. Es bezeichnet daher nicht etwas rein Undefinierbares, sondern ganz präzise etwas ‚Zweifelhaftes‘, also Doppels...

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