Nihilismus: Die Freiheit des Nichts

Der Begriff Nihilismus leitet sich von nihil, dem lateinischen Wort für nichts, ab. Im philosophischen Sinne beschreibt der Nihilismus eine Geisteshaltung, die ihre Ursprünge je nach Definition im 18. oder 19. Jahrhundert hat und sich durch eine persönliche innere Ablehnung oder Verneinung kennzeichnet. Wenn der Schriftsteller in Der Richter und sein Henker Gastmann nun als „Nihilist“ (82) bezeichnet, können damit geschichtlich dreierlei Grundideen gemeint sein: Das Leugnen der Existenz von Wirklichkeit, das Leugnen der gesellschaftlichen Werte und Ordnung und das Leugnen der Gültigkeit von Wahrheit.

Die letzten beiden Punkte treffen definitiv auf Gastmann zu. Erstens analysiert der Schriftsteller korrekt, bei Gastmann seien „immer zwei Dinge möglich, das Schlechte und das Gute, und der Zufall entscheidet“ (82). Von den gängigen Vorstellungen von Moral oder gesetzlichen Vorschriften lässt er sich demnach nicht leiten. Zweitens weiß Gastmann sehr genau über die Zerbrechlichkeit der Wahrheit Bescheid, ist er doch selbst (wie allerdings auch Bärlach) ein Meister darin, ‚Wahrheiten‘ zu fabrizieren und zu manipulieren. So gelingt es ihm bereits zu Beginn der Wette, seinen Mord am deutschen Kaufmann als Selbstmord hinzustellen sowie vierzig Jahre später einer ganzen Stadt das Bild vom gesellschaftlichen Wohltäter vorzugaukeln.

Dass Gastmann auch die Wirklichkeit leugnet, kann nicht direkt behauptet werden. Dass er jedoch in einem ähnlichen Zusammenhang nicht viel auf den Sinn der menschlichen Existenz an sich gibt, lässt sich sehr gut an der Reaktio...

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