Bärlach

Der todkranke Kriminalist

Hans Bärlach ist ein altgedienter „Kommissär“ (S. 6) der Schweizer Kriminalpolizei in Bern, der mit den Ermittlungen im Mordfall Ulrich Schmied betraut wird. Er wohnt „seit dreiunddreißig in einem Hause an der Aare“ (S. 24) in der „Altenbergstraße“ (S. 24) und ist zum Zeitpunkt der Handlung, im „November neunzehnhundertachtundvierzig“ (S. 5), unverheiratet und „über sechzig“ (S. 10).

Außerdem hat Bärlach Probleme mit dem „verfluchte[n] Magen“ (S. 25). Diese äußern sich in ständigen Schmerzen, aber auch immer wieder in einem krampfartigen „Anfall“ (S. 73). Die Krankheit beeinträchtigt nicht nur Bärlachs Alltag; „Ich habe geschlafen. Seit Tagen das erste Mal“ (S. 25), sondern stellt sich im Verlauf des Textes als derart schwerwiegend heraus, dass er sich „innert drei Tagen“ (S. 89) operieren lassen muss, um „noch ein Jahr zu leben“ (S. 89).

Der sympathische Kommissar

Nach dem Besuch des „Gymnasiums“ (S. 88) mit seinem Schulfreund, dem späteren „Doktor Samuel Hungertobel“ (S. 88), stand Bärlach bereits vierzig Jahre vor der Handlung des Romans im Polizeidienst und wurde als Fachmann nach Konstantinopel entsandt, „um etwas zu reformieren“ (S. 65). Dort verbrachte er „zehn Jahre“ (S. 13), bevor er sich „in Deutschland als bekannter Kriminalist“ (S. 8) einen Namen machte. 1933 kehrte er in seine Heimatstadt Bern zurück, nachdem er als Leiter der „Kriminalpolizei Frankfurt am Main“ (S. 8) einen ranghohen Vertreter der neuen nationalsozialistischen Regierung geohrfeigt hatte.

Zu Beginn stellt der Text Bärlach als kauzig und eigensinnig dar: Er raucht im Büro seines Vorgesetzten gegen dessen Willen und hegt eine starke Abneigung gegen nahezu alles von „Zeitungen“ (S. 8) über „Tote“ (S. 13) bis hin zur „moderne[n] wissenschaftliche[n] Kriminalistik“ (S. 18). Außerdem verzichtet er darauf, Dorfpolizist Clenin für das Entfernen der Leiche Schmieds vom Tatort zu rügen: „Sie haben schon recht getan“ (S. 16), und gibt an, die „Protokolle“ (S. 20) zum Mordfall gar nicht gelesen zu haben, da er auch diese nicht „liebe“ (S. 20).

Hingegen schätzt er den Genuss von Essen, Tabak und Alkohol. So haftet Bärlach zunächst auch das Etikett eines sympathischen, wenn auch biederen Konservativen an, der es im Alter mit seinem Beruf nicht mehr ganz so genau zu nehmen scheint.

Bärlachs berechnende Methodik

Sehr früh gesellt sich hier bereits der Eindruck von juristischer Fragwürdigkeit hinzu, als Bärlach heimlich die „Mappe“ (S. 12) Schmieds aus dessen Wohnung e...

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