Charakterisierung

Unsere Porträtgalerie zu Friedrich Dürrenmatts Roman Der Richter und sein Henker befasst sich mit den fünf Schlüsselfiguren der spannenden Erzählung. Zuerst werden die beiden Hauptpersonen, der todkranke und methodische Kommissar Bärlach und sein verbrecherischer und einflussreicher Widersacher Gastmann, gründlich portraitiert. Seit vierzig Jahren kennen sie sich, nachdem Gastmann damals am Bosporus ein Verbrechen beging, das Bärlach ihm nicht nachweisen konnte.

Jetzt treffen die beiden Gegenspieler wieder aufeinander. Der kluge Kommissar nimmt Revanche, als er einen neuen Mord aufklären soll: Es gelingt ihm nun, Gastmann als Mörder zu beschuldigen und ihn von dem Kriminalassistenten Tschanz töten zu lassen. Hiermit spielt der ambitionierte und neidische Tschanz eine wesentliche Rolle in der Erzählung. Er ermordet nicht nur seinen Rivalen, den vorbildlichen Polizeileutnant Schmied, sondern er wird nun auch noch von Bärlach als Henker benutzt.

Das Opfer Polizeileutnant Schmied erhält natürlich eine fundierte Charakterisierung. Auch sein Vorgesetzter, der Untersuchungsrichter Dr. Lutz, sowie sein Parteikollege und Gastmanns Advokat, Nationalrat Oskar von Schwendi, werden eingebend beschrieben. Durch ihre jeweilige Stellung und die Einbettung der weiteren Figuren in den Polizeiapparat entfaltet sich eine Charakterstudie verschiedenster Persönlichkeiten. Diese beeinflussen sich gegenseitig und stellen sich einander immer wieder perfide Fallen.

Zum genauen Verständnis der Hauptfiguren und ihrer Motivationen sind diese Charakterisierungen unerlässlich. Die äußerlichen Merkmale der Figuren werden hier auf wenigen Seiten ebenso aufgeführt wie ihre grundlegenden Charaktereigenschaften. Da in Dürrenmatts Roman zwei Zeitebenen miteinander in direkter Verbindung stehen, werden sowohl die Vorgeschichte der jeweiligen Personen als auch ihre Rolle in dem Kriminalfall, ihre Handlungen und ihr Schicksal beleuchtet und in einen Zusammenhang gebracht.