Sprache

Die Sprache, der sich der Erzähler in Der Richter und sein Henker bedient, mutet auf den ersten Blick geordnet an. Sie gibt sich zweckmäßig und oftmals knapp. Wo sie neben wörtlicher Figurenrede auftritt, vor allem bei längeren Dialogen, wirkt sie sogar häufig bloß wie Beiwerk. Nicht selten werden die Aussagen der Figuren hierbei über indirekte Rede transportiert („Gewiß, das tue er ja auch, antwortete Bärlach“, S. 14), manchmal auch in längeren Abschnitten wie beim Gespräch mit dem Schriftsteller.

Für Leser des Standarddeutschen stellen die Einwürfe gewisser Schweizer Vokabeln („Kommissär“, S. 6; „Tram“, S. 10; „Falle“ statt Türklinke, S. 98; das Lied der betrunkenen Diener) eine gewisse Besonderheit dar. Auch diese Wörter scheinen jedoch vor allem dazu zu dienen, den Realitätsanspruch der dargestellten Welt zu untermauern. An eine überdurchschnittliche Allgemeinbildung appelliert die Sprache nur selten, wenn beispielsweise ohne weitere Erläuterungen die Sterne „Wega, […] Capella, Aldebaran“ (S. 30) Erwähnung finden. Formulierungen wie „aus dem Walde“ (S. 5), „runzelte die Stirne“ (S. 12) und „mit einem Male“ (S. 114) mögen heutzutage ein wenig poetisch anmuten, gehören zum Zeitpunkt der Entstehung des Romans allerdings durchaus noch zum alltäglichen Sprachgebrauch.

Auf der Bedeutungsebene allerdings erweist sich die Sprache nicht mehr als zurückhaltend analytisch, sondern als taktisches Werkzeug des manipulativen Erzählers. Dort operiert sie, wie viele der Figuren auch, mit Doppeldeutigkeiten. Je nach Situation entstehen so unterschiedliche Effekte, die sich in die folgenden drei Kategorien einteilen lassen:

Versteckte Hinweise

Zwar ist beispielsweise die „Falle“ (S. 98) durchaus ein Schweizer Ausdruck für die Türklinke. Doch wenn Tschanz sie nach seinem fehlgeschlagenen Einbruch in Bärlachs Wohnung abermals hinunterdrückt, nur, um...

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