Rezension

Dürrenmatts Kriminalroman „Der Verdacht“ ist, formal betrachtet, sehr eigenständig konzipiert, denn er kommt, abgesehen von den kurzen Episoden, wie der Fahrt nach Zürich und der Aufnahme in Emmenbergers Spital, mit gerade einmal zwei Handlungsplätzen aus: Dem Krankenzimmer in Bern und dem Krankenzimmer in Zürich.

Die Beschränkung der Handlung auf sehr wenige Orte erfordert vom Autor einen sehr bewussten und kunstvollen Umgang mit der Sprache sowie einen geschickten Spannungsaufbau. Besonders der Beginn des zweiten Teils, bei dem sich der Kommissar Bärlach wissentlich dem Ungeheuer Dr. Emmenberger völlig entkräftet und schutzlos ausliefert, ist daher von einer sehr starken und bildhaften Sprache gekennzeichnet, die dem Leser die ganze Ausweglosigkeit der Situation, aber auch gleichzeitig den großen inneren Antrieb des Polizisten vor Augen führt.

Die Auseinandersetzung eines schwerkranken Krebspatienten mit dem Tod, der ihn mitten in der Suche nach einem brutalen Schwerbrecher in Form eines „Anhauch[es] des Nichts“ (S. 63) streift, ist sicherlich einmalig im modernen Krimi. Sie zeugt vom Bestreben des schweizerischen Autors, die literarische Form des Kriminalromans und ihre Figuren weiterzuentwickeln und auf ein anspruchsvolles Niveau zu heben. Seine Hauptfigur Bärlach stellt mit all seinen menschlichen Schwächen und Fehlern auch eine deutliche Kriti…

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