Gut und Böse

Dr. Emmenberger: Der gute Sadist

Die Gefangenen der KZs sind ihren Wärtern hilflos ausgeliefert, was zu unfassbarer willkürlicher Brutalität führt: „...je nach Laune der SS, und wie´s die Witterung ergab: bei Ostwind wurde gehängt, und bei Südwind hetzte man Hunde auf Juda“ (S. 35). Besonders brutal und willkürlich verhalten sich die Lagerärzte, die „mit wissenschaftlichem Eifer“ (S. 35) Massenmord begehen. Zu Hunderten werden die Häftlinge mit Luft, Phenol, Karbolsäure und anderen Dingen gespritzt oder ohne Narkose operiert.

Emmenberger (alias Nehle) schafft es durch geschickte Manipulation, im Lager eine ganz besondere Zwischenstellung zwischen Gut und Böse einzunehmen: Er macht die Grausamkeiten der anderen nicht mit und hilft, so gut es geht, den Gefangenen. Dennoch sterben die Menschen zu Hunderten auf seinem Operationstisch aufgrund seiner grausamen Methoden. Emmenberger ist geschickt darin, die Menschen zu manipulieren, und sie glauben ihm seine Versprechen, da er sonst „hilfsbereit und zuverlässig“ (S. 37) ist.

Seine teuflisches Wesen besteht da…

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Marlok: Die desillusionierte Böse

Dr. Marlok war vor dem Krieg ein positiver und lebensbejahender Mensch. Sie war als Kommunistin der Überzeugung, dass man die Erde „lieben müsse“ und dass es die Pflicht der Menschen sei, „dieser Menschheit im Namen der Vernunft zu helfen, aus der Armut und aus der Ausbeutung herauszukommen“ (S. 81).

Mit der Machtergreifung Hitlers floh sie nach Russland, um dort, wie Bärlach, „gegen das Böse zu kämpfen bis an meines Lebens seliges End…

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Sonnenschein: Die Hölle der Reichen

Gut und Böse treffen vor allem in der Privatklinik Sonnenschein aufeinander. Eigentlich ist ein Krankenhaus ein Ort der Fürsorge und Heilung, so wie es im Spital in Bern der Fall ist. Doch Marlok vergleicht die Hölle des Konzentrationslagers Stutthof mit dem Spital Sonnenschein, das sie als „Hölle der Reichen“ (S. 83) bezeichnet. Für Marlok ist nicht das Gesetz die höchste Macht, sondern die Macht an sich: „Wenn wir Gesetze sagen, meinen wir Macht; sprechen wir das Wort Macht aus, denken wir an Reichtum, und kommt das Wort Reichtum über unsere Lippen, so hoffen wir, die Laster der Welt zu genießen. Das Gesetz ist das Laster, das Gesetz ist der Reichtum, das Gesetz sind die Kanonen, die Trusts, die Parteien; was wir auch sagen, nie ist es unlogisch, es sei denn der Satz, das Gesetz sei das Gesetz, der allein die Lüge ist“ (S. 84-85).

Marloks kommunistische Überzeugungen spielen immer noch eine …

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Der personifizierte Teufel

Emmenberger glaubt, dass gute und böse Taten normalerweise Zufall sind. Der Mensch lebt „anständig und nach bestem Gewissen“ (S. 107). Teilweise bemüht er sich darum, teilweise lässt er sich treiben. Daher vertritt er die Überzeugung: „Alles, was man unternimmt, die Taten und die Untaten, geschieht auf gut Glück hin, das Böse und das Gute fällt einem wie bei einer Lotterie als Zufallslos in den Schoß; aus Zufall wird man recht und aus Zufall schlecht“ (S. 107).

Emmenberger repräsentiert eine teuflische Weltansicht, die völlig frei von Moral oder Empathie ist. Alles ist für ihn nur Materie, an die er wie ein Gott glaubt (S. 108), und er ist Teil dieser Materie und kann mit ihr agieren, wie er es für richtig hält. In seinem Weltbild muss er sich vor nichts rechtfertigen. Auch das Menschenleben ist für ihn nichtig, da es nicht von Dauer ist und daher seiner Meinung nach beliebig beendet werden kann, da es eh eines Tages vergeht: „Es ist unsinnig in einer Welt, die ihrer Struktur nach eine Lotterie ist, nach dem Wohl des Menschen zu trachten…“ (S.109). Für ihn ist es undenkbar, an die Materie und glei…

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