Gesellschaftskritik

Kampf für die Freiheit

Der Autor Dürrenmatt vertritt die These, dass es keine Werke gibt, die nicht gesellschaftsbezogen sind. Alle sind die Produkte von einzelnen Menschen, die unter bestimmten Bedingungen erzogen wurden und in einer Kultur und Gesellschaft leben. Dies spiegelt sich auch in ihren literarischen Produkten wider, die immer ein Spiegel der Zeit sind, in der der Schriftsteller lebt[1].

In seinem Kriminalroman „Der Verdacht“ spricht Dürrenmatt die unfassbar grausamen medizinischen Verbrechen in den Konzentrationslagern des Zweiten Weltkrieges an und stellt die Frage, wie so etwas geschehen konnte. Durch diese Verbrechen verändert sich die Bedeutung von Begriffen, wie Freiheit und Glauben.

Im Umfeld der schrecklichen Dinge, welche die Häftlinge in den Konzentrationslagern erleben, verändert sich der Begriff von Freiheit für die Häftlinge. Freiheit wird unter diesen Umständen „alles, was außerhal…

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Kritik an konservativem Denken

Anders als Gulliver sind sowohl Bärlach als auch Emmenberger und seine Helfer keine religiösen Menschen. Bärlach agiert auf der Basis seines althergebrachten Verständnisses von erfolgreicher Kriminalarbeit, welche die Wiederherstellung der sozialen Ordnung bewirken soll. Doch der Kommissar ist alt und in seinen Methoden fest eingefahren. Er kritisiert die moderne Polizeiarbeit, wie sie sein Chef Dr. Lutz vertritt, als eine „moderne wissenschaftliche Kriminalistik, wo man den Verbrecher findet wie ein etikettiertes Konfitürenglas“ (S. 16).

Bärlach fühlt sich als alter Spürhund nicht mehr willkommen und will mit seinem Alleingang beweisen, dass er mit seinen Methoden überlegen und seine Entlassung nicht rechtfertigt ist. Doch genau dieses konservative und egozentrische Denken macht ihn unvorsichtig und brin…

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Die Nazi-Ärzte

Zehntausende Häftlinge wurden bei medizinischen Menschenversuchen in den Konzentrationslagern der Nazis ermordet. Die Ärzte kamen aus der SS, der Wehrmacht oder aus den Universitäten. Die Experimente waren deshalb möglich, weil der Forschung keine Schranken gesetzt wurden. „Bevorzugt wählten die Mediziner nach der Nazi-Ideologie als "lebensunwert" eingestufte Häftlinge, wie zum Beispiel Roma- und Sinti-Zwillinge, jüdische Kinder oder russische Kriegsgefangene“.[2]

Man schätzt, dass ungefähr 350 Ärzte an den medizinischen …

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Der Tod für die Reichen

Emmenberger schafft es nicht nur, während des Zweiten Weltkrieges seine sadistischen Neigungen im Namen der Wissenschaft auszuleben, sondern auch nach dem Ende dieser schrecklichen Zeit. Er erschafft mit der Privatklinik Sonnenstein eine „Hölle der Reichen“ (S. 83), in der er ihnen die Hoffnung vermittelt, gegen viel Geld und unter der Duldung unsäglicher Schmerzen noch ein wenig länger leben zu können.

Dr. Marlok stellt fest, dass Arme und Reiche in dieser Gesellschaft zwar beide sterben müssen, dass jedoch der Arme so stirbt, wie er gelebt hat, während der…

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